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Wirtschaft und Soziales
 
Frankfurt, im August 1999 Rainer Roth: 

Roth, Rainer, DVS, 1999 
ISBN 3-932246-20-9 

Auszüge: 
Schröders Sparpaket:
Gewinner ist das Kapital
A Logik des Kapitals als Ursache der Staatsverschuldung
2.1 Langfristiger Fall der Profitraten -durch Investitionen

2.2Langfristiger Fall der Profitraten - durch sinkende Nachfrage nach Arbeitskraft
3.1 Sozialausgaben - Hauptursache der Staatsverschuldung?
4.1 Zusammenfassung Ökonomische Ursachen der Staatsverschuldung
B Logik des Geldkapitals als Ursache der Staatsverschuldung
5.1 Schuldendienst (Zins und Tilgung) als eigene Quelle der Staatsverschuldung
C Privatintertessen im Staatsapparat als Ursache der Staatsverschuldung
6.1Selbstbedienung der politischen Klasse und der Parteien
D Internationalisierung (Globalisierung) als Ursache der Staatsverschuldung
7.1 Gefahr einer Weltwirtschaftskrise
E Vom Keynesianismus zum Neoliberalismus
8.1Über den Keynesianismus
F Ausblick
9.1Das Problem Staatsverschuldung und die gängigen Lösungen
9.2 Private und staatliche Interessen
9.3 Allgemeininteresse - Interesse der Lohnabhängigen
2.1 Langfristiger Fall der Profitraten -durch Investitionen

Die Staatsverschuldung ist ein Prozeß, der durch Haushaltsdefizite vorangetrieben wird. Sie wächst, wenn die Staatsausgaben die Staatseinnahmen übersteigen bzw. wenn Staatseinnahmen die Staatsausgaben unterschreiten.

Auf der Ebene der Erscheinung können die Ursachen der Staatsverschuldung deshalb in überhöhten Ausgaben an bestimmte Gruppen der Gesellschaft oder in zu niedrigen bzw. zu hohen Einnahmen von bestimmten Gruppen der Gesellschaft gesehen werden.

Die Funktionäre der Wirtschaft erklären zu hohe Sozialausgaben zum Hauptproblem, weil Sozialleistungen und Sozialversicherungsbeiträge die Lohnkosten hochhielten und damit Gewinne, Investitionen und Arbeitsplätze beeinträchtigten.

Andere, die im weitesten Sinne Arbeiterinteressen vertreten, halten die Gewinnsteuern für zu niedrig, weil die Unternehmen die Steuernachlässe nicht ausreichend für produktive Investitionen verwenden. Sie wollen die Gewinnsteuern erhöhen, damit der Staat selbst mehr investieren und Arbeitsplätze schaffen kann.

Außerdem halten sie die Erhöhung der Kaufkraft für wichtig, um die Produktion zu erhöhen, und schätzen von daher höhere Löhne und Sozialausgaben als volkswirtschaftlich notwendig ein.

In beiden Fällen scheint eine falsche Wirtschaftspolitik von regierenden Staats-vertretem die Ursache der Staatsverschuldung zu sein. Hätten sie die Sozialausgaben in den Griff bekommen bzw. nicht zu starke Gewinnsteuerausfälle zugelassen, dann hätte der Staat die wirtschaftliche Entwicklung positiv beeinflußt und seine Finanzen eher ausgeglichen.

Die Staatsverschuldung erscheint als Folge der mangelnden Entschlossenheit von Politikern, die mit der Aufnahme von Krediten die Lösung der Probleme in die Zukunft verschieben. Kredite finanzieren für die einen Sozialleistungen, die sonst gestrichen werden müßten, für die anderen Haushaltslöcher, die durch Gewinnsteuerausfälle aufgerissen wurden.

Die Staatsfinanzen hängen jedoch nicht in erster Linie vom Staat selbst ab. Sie registrieren bei Einnahmen und Ausgaben ökonomische Entwicklungen, die sich außerhalb des Staates abspielen. Wachstumsraten, Gewinne, Investitionen, Krisen und Arbeitslosigkeit hängen nicht in erster Linie vom Staat, sondern von der Ökonomie ab.

Der Staat ist nicht die Haupttriebkraft, der Dreh- und Angelpunkt der Ökonomie. Vielmehr setzt die Ökonomie die Bedingungen, auf die der Staat reagiert. Alle ökonomischen und sozialen Entwicklungen gehen aber durch den Staat hindurch. Ökonomische Notwendigkeiten übersetzen sich je nach Interesse in staatliches Handeln und wirken darüber auf die Ökonomie zurück. Die Staatsverschuldung ist deshalb ein Produkt ungelöster Probleme der Ökonomie und nicht in erster Linie ungelöster Probleme des Staates. Der Staat „erleidet" die ökonomischen Probleme mehr, als er sie aktiv gestaltet.

Es gilt also, die Einbindung sinkender Gewinnsteuereinnahmen und höherer Sozialausgaben in die ökonomische Entwicklung zu rekonstruieren.

Verlangsamung des ökonomischen Wachstums

Beim ersten Hinsehen stellt sich als Hauptursache der Krise der Staatsfinanzen die erlahmende Dynamik der Wirtschaft dar.

,ßis zum Trendbruch der 70er Jahre war die -wirtschaftliche Dynamik so stark, daß sie strukturelle Überschüsse (der Staatsfinanzen, d.V.) produzierte. Das änderte sich aber schlagartig, als die Wirtschaft Anfang der 70er Jahre in die Krise geriet, die Wachstums raten einbrachen, das reale Volkseinkommen vorübergehend schrumpfte. Damals begann die Periode struktureller Defizite: Die Staatsausgaben -wachsen seither im Trend schneller als die Einnahmen" (Wittmann 1996,53f.). 1973 wurde laut Wittmann der Wachstumstrend gebrochen (ebda. 55).

Das Wachstum der kapitalistischen Volkswirtschaft wird daran gemessen, wievie-le Waren verkauft werden. Mit dem Umfang der verkauften Warenmenge wächst der volkswirtschaftliche Überschuß, das Volkseinkommen, das in Unternehmensgewinne und Lohneinkommen zerfällt. Mit dem Volkseinkommen wiederum können die Staatseinnahmen und -ausgaben wachsen.

Die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aber sinken.

In den 50er Jahren wuchs es preisbereinigt durchschnittlich um etwa 7,5% jährlich, in den 60 Jahren um 4,4%, in den 70er Jahren um 2,7%, in den 80er Jahren um 2,2%, von 1991 bis 1998 nur noch um 2% (IdW 1990 Tab. 21, IdW 1997 Tab. 24, Monatsberichte 7/99, 60*).

Mit sinkenden Wachstumsraten des BIP sanken auch die Wachstumsraten des Volkseinkommens. Es wuchs von 1961 bis 1970 noch um 8,3% jährlich. Von 1971 bis 1980 um 8%, von 1981 bis 1990 nur noch um 5,2% und von 1991 bis 1998 um 4,0%.

Je höher das Volkseinkommen ist, desto mehr kann in Form von Profiten den Privatuntemehmen zufließen, in Formen von Löhnen den Lohnabhängigen und in Form von Arbeitslosenunterstützung, Renten usw. den Nicht-Erwerbstätigen.

Je höher das Volkseinkommen ist, desto mehr kann sich der Staat aus Steuern auf Profite, Löhne und Konsum bedienen. Dieser kann die eingehenden Gelder wiederum für seine jeweiligen Zwecke an Unternehmen, Lohnabhängige bzw. Nicht-Erwerbstätige ausgeben.

Wenn die Ursachen der Staatsverschuldung in langfristig sinkenden Wachstumsraten zu finden sind, was sind dann die Ursachen des sinkenden Wachstums? Die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf Investitionen, Gewinne und Löhne. Die erlahmende Dynamik der Ökonomie drückt sich konkret in sinkenden Renditen und Investitionsquoten, in sinkenden Reallöhnen und steigender Arbeitslosigkeit aus.

Vorherrschend sind zwei Erklärungsmuster.

Die einen behaupten, daß die Hauptursache der sinkenden Dynamik in überhöhten Löhnen liege. Überhöhte Löhne würden die Gewinne schmalem und damit auch die Investitionskraft schwächen.

Die anderen behaupten, daß die Hauptursache der sinkenden Dynamik in zu niedrigen Löhnen liege. Zu geringe Kaufkraft würde den Warenabsatz schwächen, damit die Gewinne schmälern und Investitionszurückhaltung fördern.

Von entscheidender Bedeutung sind die Renditen, zu denen sich das Kapital verzinst. Von ihrer Höhe hängt im wesentlichen die ökonomische Entwicklung ab. Sind die Renditen „zu niedrig", erlahmen Investitionen und steigt die Arbeitslosigkeit.

Tendenz zu langfristig fallenden Profitraten - durch Investitionen

Rürup bezeichnet Unternehmen als „renditegesteuerte wirtschaftliche Einrichtung" (Rürup 1995,279). Renditen sind Verhältniszahlen. Sie messen die Höhe des Gewinns relativ, d.h. im Verhältnis zum eingesetzten Kapital.

Da die Höhe der Renditen von der Höhe der Gewinne abhängt, besteht die Hauptbeschäftigung des Kapitals darin, die Gewinne zu steigern. ,ßs gibt nur eine soziale Verantwortung der Wirtschaft, nämlich unter Benutzung all ihrer Hilfsquellen sich z.u betätigen, um die Profite w maximieren" (Milton Friedman nach Schmid 1996,2).

Bei der Entwicklung der Gewinne kann man auf den ersten Blick keine Probleme erkennen. Sie sind erheblich gestiegen. Es ist Geld genug da.

Die Gewinne der Unternehmen sind in den „Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen" enthalten. Diese Größe setzt sich zusammen aus den Gewinnen der Kapital- und der Personengesellschaften und aus den Einkommen aus Aktien-, Immobilienbesitz und Geldvermögen (Zinsen, Dividenden, Mieten). Da auch Lohnabhängige Vermögen und entsprechende Einnahmen besitzen, entfällt ein Teil der Vermögensenkommen auch auf sie. Mangels anderer Möglichkeiten müssen wir uns auf diese unausgegorene Statistik stützen. Nettoeinkommen sind Bruttoeinkommen nach Abzug von Steuern.

TAB 1 Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen

(in jeweiligen Preisen; ab 1991 für Deutschland)

18


Bruttozuwachs Zuwachs in %
B
Nettozuwachs
C=B:A
Verhältnis
1960 -1965 
1965 -1970 
1960 -1970
+ 28,6 Mrd. DM  (+ 29,9%)
+ 45,4 Mrd. DM (+ 36,6%)
+ 74,0 Mrd. DM (+98,1%)
 
+ 61,9 Mrd. DM 83,6%
1970 -1975 
1975 -1980 
1970 -1980
+ 37,2 Mrd. DM (+ 21,9%)
+ 68,7 Mrd. DM (+ 33,2%)
+ 106,0 Mrd. DM (+ 77,2%)
 
+ 77,5 Mrd. DM 73,1%
1980 -1985 
1985 -1990 
1980 -1990
+ 104,6 Mrd. DM (+ 38,0%)
+ 194,7 Mrd. DM (+ 51,9%)
 + 299,4 Mrd. DM (+108,6%)
 
+ 279,5 Mrd. DM 93,4%
1990 -1995 
1995 -1997 1990 - 1997
+ 169,3 Mrd. DM (+ 34,3%) 
+ 108,5 Mrd. DM (+ 14,8%)
+265,0 Mrd. DM (+ 46,1%)
 
+ 169,4 Mrd. DM 
+ 114,2 Mrd. DM 
+ 274,2 Mrd. DM
103,5%
(Statistisches Taschenbuch 1998 Tab. 1.10; Monatsberichte 4/1998, 61*; DGB 1998, 12)

 

Die Gewinne sind auf Rekordhöhen gestiegen. Die absoluten Zuwächse der Bruttogewinne sind in den 80er und 90er Jahren höher als in den 60er und 70er Jahren.

Die Bruttozuwächse der Unternehmens- und Vermögensgewinne wurden in den 90er Jahren überhaupt nicht mehr versteuert, nachdem ihre Besteuerung schon in den 80er Jahren auf 6,6% gefallen war.

Das ist die Folge massiver Steuersenkungen.

Die Nettoquote, d.h. der nach Abzug der Steuern verbleibende Unternehmensund Vermögensertrag, pendelte von 1960 bis 1980 (bzw. 1982) relativ konstant um 78%. Sie stieg auf 91,5% im Jahre 1997. Anders ausgedrückt: die Steuerlast fiel von 21-22% der Jahre 1960 bis 1982 auf 8,5% im Jahre 1997.

Unternehmen und Vermögensbesitzer schwimmen in Geld, und der Staat befreit sie weitgehend von Steuerzahlungen.

Wenn die Löhne genauso gestiegen wären wie die Untemehmergewinne und die Lohnsteuern so gefallen wären wie die Gewinnsteuern, wären Facharbeiter völlig zufrieden. Warum beklagt sich das Kapital trotzdem so lautstark, daß die Gewinne zu niedrig sind? Warum jammert es trotz sinkender Steuerbelastung darüber, daß die Steuern zu hoch sind? Kriegt es in seiner Gier einfach nur den Hals nicht voll genug?

Wichtiger als die Profithöhe ist die Profitrate.

Das Problem liegt nicht in der absoluten Höhe der Profite, sondern in ihrer relativen Höhe zum eingesetzten Kapital, der Profitrate. Die Profitrate ist das Verhältnis (die Rate), in dem Profite zum eingesetzten Kapital stehen. Profitrate ist nur ein anderer Begriff für Rendite. Die Analyse ihrer Entwicklung ist von entscheidender Bedeutung. Die Bedeutung des Themas steht im umgekehrten Verhältnis zur Aufmerksamkeit, die ihm gewidmet wird.

Eine erste Annäherung an die gesamtwirtschaftlichen Profitraten bekommen wir, wenn wir die Brutto- und Nettoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen auf das eingesetzte Kapital beziehen.

Zum eingesetzten Kapital gehört das Sachanlagevermögen, d.h. das in Anlagen investierte Kapital. Als Anlagen werden Ausrüstungen (Maschinen usw.) und Gebäude bezeichnet. Das Anlagevermögen steigt mit dem Umfang der Investitionen in Ausrüstungen und Gebäude.

Man unterscheidet zwischen Brutto- und Nettoanlagevermögen.

Das Nettoanlagevermögen ist das um Abschreibungen verminderte Bruttoanlagevermögen. Die angekauften Maschinen und Anlagen übertragen ihren Wert Stück für Stück auf die mit ihnen produzierten Waren. Die Wertübertragung führt zu einer Wertminderung des Anlagebestandes. Die Wertminderung wird als Abschreibung bezeichnet. Abschreibungen drücken den Verschleiß von Produktionsmitteln aus. Diese enthalten aber auch staatliche Subventionen, da Maschinen und Gebäude steuerlich schneller abgeschrieben werden können, als ihrem realen Verschleiß entspricht. Abschreibungen sind steuerfreie Geldmittel, die dem Ersatz des verbrauchten Sachanlagevermögens dienen. Überhöhte Abschreibungen dienen der Senkung von Gewinnsteuern. Sie sind versteckte Gewinne.

Bei der Berechnung der Profitraten muß der Bruttoprofit auf das Netto-, nicht auf das Bruttosachanlagevermögen bezogen werden. Denn der reale Verschleiß der Produktionsmittel führt zu einer realen Verminderung des eingesetzten Kapitals. Der Wertverlust der Produktionsmittel geht in den Wert der verkauften Waren ein und wird über den Preis realisiert. Da die Abschreibungen überhöht sind, ist das Nettosachanlagevermögen allerdings zu niedrig ausgewiesen.

Das Nettoanlagevermögen kann zu Anschaffungs- oder zu Wiederbeschaffungs-preisen bewertet werden. Nur Anschaffungspreise entsprechen dem tatsächlich verausgabten Kapital. Wiederbeschaffungspreise unterstellen eine „Wiederbeschaffung" zu inzwischen gestiegenen Preisen, die möglicherweise gar nicht eintritt. Die Wiederbeschaffungspreise liegen etwa 25% über den Anschaffungspreisen. Da jedoch die meisten Berechnungen mit Wiederbeschaffungspreisen arbeiten und dazu auch Daten vorliegen, verwenden wir sie ebenfalls. Da Wiederbeschaffungspreise das Sachanlagevermögen zu hoch erscheinen lassen, erscheint die Rendite niedriger als bei Berücksichtigung der Anschaffungspreise. Der Verlauf der Gesamtentwicklung ändert sich jedoch dadurch nicht.

Das Sachanlagevermögen wächst durch Investitionen. Die Gewinne müssen ebenfalls wachsen, wenn die Rendite, d.h. das Verhältnis der Gewinne zum investierten Kapital, nicht sinken soll.

Kapital wird aber nicht nur in Sachanlagen verausgabt, sondern auch in der Beschäftigung von Arbeitskräften, die mit Hilfe der Sachanlagen Überschüsse produzieren. Die Rendite muß sich also auch auf diesen Teil des investierten Kapitals beziehen.

Der Einfachheit halber gehen wir von der Bruttolohn- und Gehaltssumme aus. Diese verfälscht die auf Lohnarbeiterinnen entfallende Lohnsumme insofern, als „die Kosten der Unternehmensführung bei Kapitalgesellschaften durchweg zum Personalaufwand gerechnet -werden, bei Personengesellschaften und Einzelfirmen, soweit sie von den Inhabern oder Gesellschaftern selbst geführt werden, dagegen als 'Unternehmerlohn' im Jahresüberschuß enthalten sind1'1' (Deutsche Bundesbank 1994,13).

Die hohen Managergehälter und ihre vielfältigen sonstigen Aufwendungen z.B. für Pensionen und Pensionsrückstellungen usw. werden nicht gesondert ausgewiesen. Andererseits gehören zu den Lohnkosten auch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, die sich mit der Bruttolohn- und Gehaltssumme zum Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit addieren.

Die Profitraten sind also in ihrer Höhe verzerrt. Ihre langfristige Entwicklung jedoch wird dadurch nicht berührt.

Tab. 2 Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen bezogen auf das insgesamt investierte Kapital

(ab 1995 Deutschland - in jeweiligen Preisen)
i
A
Gewinn

in Mrd DM

B
A n la g e -
v e rm ö g e n
in Mrd DM
C
Lohne/ Gehalter

in Mrd DM

B + C
in M rd DM
A B+C
in %
D
in %
1960 95,7 491 124,5 613,5 15,6 12,3
1965 124,3 886 203,1 l 089,0 11,4 8,8
1970 169,8 l 329 250,5 l 579,5 10,8 8,7
1973 206,0 l 944 343,0 2.287,0 9,0 6,9
1975 207,0 2375 380,5 2 755,5 7,5 5,9
1980 275,7 3490 552,0 4 042,0 6,8 5,9
1985 380,4 4702 642,6 5 345,0 7,1 5,8
1990 575,1 5 796 838,3 6634,0 8,7 7,4
1991 D 615,8 6 860 1 018,2 7 878,2 7,8 6,9
1992 632,5 7 501 1 092,8 8 593,8 7,4 6,8
1993 622,6 8 067 1 110,6 9 177,6 6,8 6.5
1994 695,9 8 440 1 127,0 9 567,0 7,3 6,9
1995 731,6 8 804 1 159,0 9 963,0 7,3 7,2
1996 771,5 9 093 1 165,2 10 258,2 7,5 7,3
1997 840,1 9 239 1 159,4 10 398,4 8,1 7,6
1960-1997 + 878% + 1 882% + 935%
A Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen 
B Nettoanlagevermogen der Unternehmen (ohne Staat) /u Wiederbeschaffungspreisen (1995 geschätzt) 
C Bruttolohn- und Gehaltssumme der Unternehmen (ohne Staat) (für 1960 und 1965 mcl Staat) 
D Nettoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen im Verhältnis zu B und C
(Statistisches Bundesamt 1991a und 1998 Tab 2 6 2, 3 3 3, 3 6, Statistisches Taschenbuch 1998 Tab l 10 und l 11)

In der obigen Berechnung sind die riesigen Sachvermögenswerte der Wohnungs-vermietung (incl. der Nutzung durch Eigentümer) enthalten. Da Wiederbeschaffungs-preise zugrundegelegt wurden, sind die Wertsteigerungen der Immobilien im Nettoanlagevermögen berücksichtigt. Während die Ausrüstungen netto zu Anschaffüngspreisen weniger als 10% unter den Wiederbeschaffungspreisen liegen, liegen Bauten netto zu Anschaffungspreisen um 43% unter den Wiederbeschaffungspreisen.

Das läßt die gesamtwirtschaftlichen Profitraten niedriger erscheinen, zumal mehr als die Hälfte des Sachanlagevermögens der Unternehmen auf den Bereich Wohnungsvermietung entfallen.

Deutlich kann man einen langfristigen Fall der gesamtwirtschaftlichen Rendite feststellen. Bis heute hat die gesamtwirtschaftliche Rendite nicht mehr das Niveau von 1970 erreicht. Sie pendelt seit 25 Jahren um das Niveau des Krisenjahrs 1973. Deshalb das unersättliche, aggressive Interesse, die Gewinne zu steigern und steuerlichen Abgaben an den Staat weiter zu senken. Deshalb erscheint die absolute Höhe der Profite dem Kapital als „zu niedrig", obwohl sie in den Augen der Lohnarbeiterinnen schwindelerregend ist. Deswegen sind für das Kapital die Gewinnsteuern „zu hoch", obwohl sie für Lohnabhängige traumhaft niedrig sind.

Auch das Kapital stellt sinkende gesamtwirtschaftliche Renditen fest. Genauso wie die von uns errechneten Profitraten fallen die Renditen nach Berechnungen der Unternehmen in Krisenzeiten, steigen in Zeiten guter Konjunktur und weisen langfristig, d.h. gegenüber den 60er Jahren, eine fallende Tendenz auf.

Sinkende „Umsatzrendite"

Häufig wird der Untemehmensgewinn nach Steuern auf den Umsatz bezogen. Das wird als Umsatzrendite bezeichnet.

Da über den Umsatz, d.h. den Verkauf von Waren, der Profit realisiert wird, erscheint der Umsatz als Quelle des Profits. Bezieht man den Profit auf den Umsatz, wird dadurch Gewinn auch auf Gewinn bezogen, eine Tautologie. Der Gewinn muß auf das zu seiner Produktion notwendige Gesamtkapital bezogen werden, nicht auf den Umsatz. Dennoch ist auch in der Entwicklung der Umsatzrendite eine sinkende Tendenz festzustellen.

Tab. 3 Nettoumsatzrendite (Gewinn nach Abzug von Steuern der Unternehmen in Produzierendem Gewerbe, Handel und Verkehr - Westdeutschland)
 
1960 3,0
1965 3,0
1966 2,9
1967 2,8
1968 3,4
1969 3,3
1970 3,0
1971 3,3
1972 3,2
1973 2,6
1974 2,2
1975 2,2
1976 2,8
1977 2,4
1978 2,5
1979 2,5
1980 2,2
1981 1,6
1982 1,5
1983 1,8
1984 1,8
1985 1,9
1986 2,1
1987 2,1
1988 2,2
1989 2,1
1990 2,2
1991 1,9
1992 1,5
1993 1,2
1994 1,7
1995 1,6
1996 1,4
1997 1,8

(bis 1970: MW 1990 Tab. 79, 1971-1976: IdW 1996 Tab. 69, ab 1977: IdW 1999 Tab. 64)

Das bisher tiefste Niveau erreichte die Umsatzrendite im Krisenjahr 1993, um sich dann im Aufschwung bis 1996 gerade auf das Niveau der Krisenjahre 1981-1982 zu „erholen".

Die Nettoumsatzrendite wäre noch mehr gefallen, wenn es nicht seit Mitte der 70er Jahre massive Steuersenkungen gegeben hätte.

Der Entwicklungsverlauf und seine Schwankungen stimmt im großen und ganzen mit den Berechnungen der gesamtwirtschaftlichen Profitraten überein.

Natürlich hat das Kapital ein materielles Interesse daran, gegenüber den Lohnabhängigen und dem Staat möglichst leere Taschen vorzuweisen. Dennoch wäre es falsch, aus seinen Klagen zu schließen, daß sinkende Renditen rein interessenbezogene Verfälschungen der Realität seien. Auch Unternehmen registrieren, daß Renditen langfristig zurückgehen. Sie haben nur die falschen, interessenbezogenen Erklärungen und Lösungen dafür. Sie machen Lohn- und Sozialkosten bzw. zu hohe Gewinnsteuern (oder die ausländische Konkurrenz) dafür verantwortlich, aber nicht sich selbst.

Sinkende Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite bezieht den Gewinn nach Steuern nicht auf den Umsatz, sondern auf die sogenannten Eigenmittel. Zu den Eigenmitteln werden das Eigen-kapital und die Summe der Rücklagen gerechnet (Deutsche Bundesbank 1994,11).

Als Eigenkapital wird das von den Eigentümern eingezahlte Kapital mit seinem Nennwert bezeichnet (bei Aktiengesellschaften das Grund- oder bei GmbH's das Stammkapital). Rücklagen sind neben Kapitalrücklagen vor allem die nicht ausgeschütteten Gewinne (Gewinnrücklagen).

Die Eigenkapitalrendite orientiert sich an den Interessen der Aktieninhaber bzw. Gesellschafter. Sie sehen die Quelle der Rendite darin, daß sie eigenes Kapital eingeschossen haben, und beziehen sie deshalb darauf

Die Eigenkapitalrendite ist höher als die Profitrate, weil die Eigenmittel nur einen kleinen Teil des insgesamt investierten Kapitals ausmachen, auf das der Gewinn bezogen werden müßte.

Auch die von diesem arg beschränkten Standpunkt aus berechnete Eigenkapitalrendite der westdeutschen Unternehmen im produzierenden Gewerbe, Handel und Verkehr fiel zwischen 1992 und 1995 auf in der Nachkriegszeit historische Tiefstände (1992: 13,8%; 1993: 10,9%, 1995: 14,7%, 1996: 13,2%). Die Eigenkapitalrendite aller Jahre von 1992 bis 1996 lag unter dem Niveau der Krisenjahre 1975 und 1982 (IdW Zahlen 1999, Tab. 64).

Eigenkapitalrendite und Umsatzrendite klammern jeden Bezug zu den Lohnarbeiterinnen aus. Diese sollen mit der Produktion von Gewinnen nicht in Verbindung gebracht werden, als ob sie bloß lästige Kostenfaktoren wären, die der Produktion von Gewinnen im Wege stehen.

Sinkende Kapitalrendite

Auch der Sachverständigenrat der Bundesregierung stellt, bezogen auf alle Unternehmen außer Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, eine langfristig sinkende Kapitalrendite fest.

Er bezieht die Gewinne auf das Nettosachanlagevermögen zu Anschaffungspreisen. Wie alle Vertreter des Kapitals glaubt auch der Sachverständigenrat, daß der Gewinn nur aus der „Arbeit" von Maschinen und Anlagen, Gebäuden sowie Vorräten gescharfen wird, und bezieht ihn deshalb nicht auf das für menschliche Arbeitskraft verausgabte Kapital.

Allerdings zieht er merkwürdigerweise einen kalkulatorischen Untemehmerlohn auf der Kostenseite ab, statt ihn der Gewinnseite zuzurechnen. Ebenso werden staatliche Subventionen eingerechnet, so daß die Kapitalrendite schon staatlich angehoben ist. Der Sachverständigenrat zieht sogar eine kalkulatorische Verzinsung des Sachkapitals als Kostenfaktor ab, obwohl sie doch einen unterstellten Durchschnitts-profit darstellt.

In der folgenden Tabelle rechnen wir den kalkulatorischen Untemehmerlohn ebenso wie die unterstellte Verzinsung des Sachkapitals in den Gewinn ein. Mangels Angaben sind die Subventionen nicht herausrechenbar.

Tab. 4 Kapitalrendite

in % des Nettoanlagevermögens zu Anschaffungspreisen (Westdeutschland; D = Deutschland)
I960 20,59
1961 19,40
1962 18,40
1963 17,55
1964 17,67
1965 17.35
1966 16,60
1967 16,21
1968 16,74
1969 16,47
1970 16,27
1971 15,55
1972 15,21
1973 14,98
1974 13,90
1975 13,4«
1976 14,08
1977 14,03
1978 14,25
1979 14,15
1980 12,68

1981

1982

1983

1984

1985

1986

1987

1988

1989

1990

11,99

11,77

12,87

13,14

13,34

13,02

13,82

14,25

14,42

15,02
1991 15,03 13,95 D
1992 14,55 13,76 D
1993 14,85 13,40 D
1994 14,58 14,11 D
1995 14,74 14,14 D
1996 14,35 D
1997 14,87 D
1998 14,87 D

(Sachverständigenrat 1998, 287)

Die Kapitalrendite, die bis 1972 erzielt wurde, wurde in allen folgenden Jahren unterschritten. 1997 stand sie in Deutschland etwa auf dem Niveau von 1973, vor Ausbruch der Wirtschaftskrise.

Profitraten im Verarbeitenden Gewerbe

Das Verarbeitende Gewerbe umfaßt den Kem der Industrie. Bergbau, Energie-und Wasserversorgung und Baugewerbe gehören nicht dazu. Verzerrungen durch Immobilienwertsteigerungen sind nahezu ausgeschaltet. In anderer Form sind die gleichen Entwicklungen wie in der Gesamtwirtschaft festzustellen.

Tab.5a Bruttoprofitrate im Verarbeitenden Gewerbe

(Westdeutschland - in jeweiligen Preisen; in Mrd. DM)

26
A B C D E
Gewinne Anlagevermögen Löhne/ Gehälter B-K: A:B+C
Mrd. DM Mrd. DM Mrd. DM Mrd. DM in %
1970 56,59 239,27 134,99 374,26 15,1
1971 55,67 277,79 146,63 424,42 13,1
1972 54,86 308,14 156,72 464,86 11,8
1973 60,34 330,32 176,08 506,04 11,9
1974 59,40 356,36 190,17 546,53 10,9
1975 54,21 384,58 189,82 574,40 9,4
1976 65,03 396,26 203,80 600,10 10.8
1977 65,16 408,60 221,67 630,27 10,3
1978 69,48 423,77 234,47 658,24 10,6
1979 72,44 443,82 252,70 696,52 10,4
1980 54,08 476,11 272,60 748,71 7,2
1981 51,02 515,15 281,87 797,02 6,4
1982 50,63 548,72 286,41 835,13 6,1
1983 66,77 560,74 287,44 848,18 7,9
1984 70,99 573,69 298,28 871,97 8,1
1985 83,41 582,31 315,33 897,64 9,3
1986 102.31 594,36 332,93 927,29 11,0
1987 89,32 612,25 345,38 957,63 9,3
1988 97,39 631,89 358,20 990,10 9,8
1989 100,10 658,80 376,70 1.035,50 9,7
199Ü 111,00 700,40 406,70 1.107,10 9,9
1991 111,14 757,80 435,00 1.192,80 9,3
1992 86,48 819,20 451,20 1.270,40 6.8
1993 48,89 857,65 435,10 1.292,75 3,8
1994 56,07 860,75 427,40 1.288,15 4,4
1995 49,6p 850,89 434,20 1.282,60 3,9p
1970-1995 - 8,7% + 356% + 322% + 342,7% - 74,2%

A Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen 1995/96 Statistisches Bundesamt 1998 3.1.9, Verhältnis netto/brutto wie 1994; B Nettosachanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen;

C Bruttolohn- und Gehaltssumme; E Profitrate. Ab 1996 werden Profite und Anlagevermögen nur noch für Gesamtdeutschland ausgewiesen.

^Statistisches Bundesamt 1991 a und 1998Tab. 3.6.2, 3.1.9 und 3.3.3 und 3.3.3; Beschäftigte: IdW 1990 Tab. 62, IdW 1996 Tab. 57 und 60, IdW 1997 Tab.60 und 64; Monatsberichte 4/98, 65*)

Auch im Verarbeitenden Gewerbe ist das Nettosachanlagevermögen seit 1970 schneller gestiegen als die Bruttolohn- und gehalts summe. Die Bruttolohn- und Gehaltssumme fällt relativ zum Gesamtkapital und beläuft sich nur aufrd. ein Drittel. Das wachsende Nettosachanlagevermögen übt einen wesentlichen größeren Druck auf die Profitrate aus als die Löhne.

Steigende Bruttogewinne bedeuten nicht automatisch steigende Renditen. Sie können kurzfristig zu steigenden Renditen führen (wie z.B. 1976 und 1990), sind aber langfristig mit fallenden Renditen verbunden. Obwohl der Gewinn pro Beschäftigtem 1994 höher war als in den 70er Jahren, ist dennoch die Rendite erheblich niedriger. Und zwar in erster Linie deshalb, weil das Sachanlagevermögen im Verhältnis zu den Bruttolöhnen schneller zugenommen hat.

Beziehen wir die Rendite auf das Nettosachanlagevermögen zu Anschaffungspreisen, ergibt sich ein ähnliches, noch deutlicheres Bild. Uns lagen nur Zahlen ab 1989 vor.

Tab. 5b Bruttoprofitrate im Verarbeitenden Gewerbe (Westdeutschland) (bezogen auf das Nettoanlagevermögen zu Anschaffungspreisen)
Bruttogewinne Brutto-Rendite
A B C=A+B D E=C:D
in Mrd. DM in %
1989 525 377 902 100,1 11,1
1990 557 407 964 111,0 11,5
1991 599 435 1.034 111.1 10,7
1992 646 451 1.097 86,5 7.9
1993 682 435 1.117 48,5 4,3
1994 690 427 1.117 56,1 5,0
1995 690 434 1.124 49,6 4,4
1989-1995 + 17,7% + 15,8%

A Nettosachanlagevennögen zu Anschaffungspreisen; B Bruttolohn- und Gehaltssumme.

(Statistisches Bundesamt 1998 Tab. 3.1.9 und 3.6.3; Bruttolohn- und Gehaltssumme: Statistisches Bundesamt 1996 und 1998, Tab. 3.3.3). Ab 1996 werden Profite und Anlagevermögen nur noch für Gesamtdeutschland ausgewiesen.

Die Bruttolohn- und gehaltssumme steigt aufgrund des massiven Personalabbaus nur unwesentlich. Das Nettosachanlagevermögen nimmt etwas stärker zu.

Der Fall der Profitrate in der Krise 1993 ist dramatisch. Dieser Umstand ist von entscheidender Bedeutung. Er erklärt, warum das Tempo der Entlassungen und der Druck auf die Löhne auch im Aufschwung ab 1994 gegenüber der Krise 1993 nicht abnahm und warum der Druck auf massive Gewinnsteuersenkungen seither erheblich zunahm.

Profitraten westdeutscher Unternehmen des produzierenden Gewerbes, Handel und Verkehr nach der Unternehmensbilanzstatistik der Bundesbank

Neben der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes sind die Untemehmensbilanzstatistiken, die die Deutsche Bundesbank jährlich auswertet, die wichtigste Datengrundlage für die Berechnung von Profitraten (so auch Sachverständigenrat 1998). Die Daten sind Hochrechnungen von Untemehmens-bilanzen einer wechselnden Zahl von Unternehmen, vor allem Großunternehmen. Die Zahl der den Hochrechnungen zugrundeliegenden Bilanzen schwankt zwischen 10.000 und 55.000. Die Unternehmen stammen aus der verarbeitenden Industrie und aus Handel und Verkehr, sind also nicht nur Idustrieuntemehmen. Die Daten der Bundesbank sind schneller und leichter verfügbar als die des Statistischen Bundesamtes. Auch die Untemehmensbilanzstatistik der Bundesbank bestätigt, daß die Profitraten des Kapitals in Deutschland insbesondere in den 90er Jahren erheblich gefallen sind.

Tab. 6  Bruttorendite der Unternehmen in Produzierendem Gewerbe, Handel und Verkehr (Westdeutschland) - nach der Untemehmensbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank
1965 AI A2 B C D1 El E2
ALD1 A2:D1
in Mrd. D M m %
29,5 11,8 106 70 176 16,8 6,7
1966 25,6 10,0 97 66 163 15,7 6,1
1967 80,2 32,0 264 169 433 18,5 7,4
1968 69,5 35,9 274 182 456 15,2 7,9
1969 80,1 43,4 295 209 502 16,0 8,6
1970 87,2 47,5 331 252 583 15,0 8,1
1971 91,4 46.9 372 288 660 13,8 7,1
1972 99,2 49,0 405 318 723 13,7 6,8
1973 97,0 44,2 428 355 783 12,4 5,6
1974 94,4 40,7 434 386 820 11,5 5,9
1975 94,2 40,8 443 388 831 11,3 4,9
1976 122,0 59,1 464 419 885 13,8 6,7
1977 123,0 54,9 496 445 941 13,1 5,8
1978 129,3 58,1 511 471 982 13,2 5,9
1979 141,5 6^5 546 502 1.048 13,5 6,0
1980 142,2 63,6 564 562 1.126 12,2 4,2
1981 122,3 46,6 585 576 1.161 10,5 5,6
1982 122,5 45,5 605 582 1.187 10,3 3,8
1983 137,5 57,0 631 600 1.231 11,2 4,6
1984 147.8 61,6 655 629 1.284 11,5 4,8
1985 157,0 66,8 679 648 1.327 11,8 5,0
1985* 157,0 66,8 538 648 1.186 13,2 5,6
1986 163,4 74,1 558 672 1.230 13,3 6,0
1987 173,5 78,0 594 698 1.292 13,4 6,0
1988 187,3 82,8 627 725 1.352 13,9 6,1
1989 206,1 86,1 682 770 1.452 14,2 5,9
1990 227,0 97,0 729 833 1.562 14,5 6,2
1991 151,6 92,8 761 919 1.680 9,0 5,5
1992 126,9 73,5 799 987 1.786 7,1 4,1
1993 90,0 56,8 793 961 1.754 5,1 3,2
1994 131,2 75,2 781 953 1.734 7,6 43
1995 135,9 80,4 760 998 1.764 7,7 4,6
1996 129,8 73,9 758 987 1.745 7,4 4,2
1997 162,0 96,5 758 989 1.747 9,3 5,5
1970= K 0
1970 100 100 100 100 100 100 100
1980 163 137 170 201 193 81 52
1990 260 204 220 330 268 97 77
1997 185 203 229 392 300 62 68
* Umstellung von Bruttoanlagevermögen auf Nettosachanlagevermögen. Die Steigerung des Sachanlagevermögens erscheint dadurch niedriger als sie ist.

AI Jahresüberschuss vor Steuern; A2 Jahresüberschuss nach Steuern; B Sachanlagevermögen (Ausrüstungen und Bauten); C Personalaufwand; D B plus C; El Bruttoprofit im Verhältnis zum Sachanlagevermögen plus Personalaufwand; E2 Nettoprofit im Verhältnis zum Sachanlagevermögen plus Personalaufwand.

(Monatsberichte Deutsche Bundesbank 11-12/1968, 21ff.; 11/1970, 35f.; 11/1974, 40; 11/1975, 15;

11/1977, 13f.; 11/1978, 18; 11/1980, 16; 11/1983. 14; 11/1986, 15; 11/1988, 14; 11/1991, 16; II/ 1993, 23; 11/1996, 38; 11/1998. 30)

Industrielle Profitrate verkleinert sich relativ

Bis jetzt haben wir nur den industriellen Profit untersucht d.h. den Profit, den sich das Industriekapital aneignet. Die Höhe des industriellen Profits wird aber auch durch die Verteilung der insgesamt erzeugten Nettowertschöpfung beeinflußt. Je mehr von der in der Industrie erzeugten Wertschöpfung an Banken, Handel und Transportgewerbe abgegeben werden muß, desto geringer wird der industrielle Profit.

Die Berichte der Deutschen Bundesbank über die Ertragslage und die Finanzierungsverhältnisse westdeutscher Unternehmen lassen eine relative Verringerung des industriellen Profits gegenüber dem Bankprofit erkennen.

Tab. 7 Bruttoprofit (Jahresüberschuß vor Steuern) Produzierendes Gewerbe, Handel und Verkehr
1971 Jahresüberschuß davon: Zins zahl. davon: Steuern industrieller Profit
A B C D E F
in Mrd. DM in Mrd. DM 3 in % von / in Mrd. DM -) in % von ß in Mrd. DM
115,0 24,2 21,0 44,5 38,7 46,9
1972 121,2 24,3 20,0 50,4 41,6 48,5
1973 130,9 33,9 25,9 52,8 40,3 52,8
1974 keine Angaben
1975 keine Angaben
1976 150,7 30,5 20,2 61,1 40,5 59,1
1977 154,4 31,5 20,4 68,0 44,0 54,9
1978 160,3 31,0 19,3 71,2 44,4 58,1
1979 177,5 36,0 20,3 79,0 44,5 62,5
1980 193,2 51,0 26,4 78,7 40,7 63,6
1981 188,1 65,8 35,0 75.7 40,2 46,6
1982 189,5 67,0 35,3 77,0 40,6 45,5
1983 187,9 50,5 26,9 80,5 42,8 57,0
1984 198,5 50,7 25,5 86,2 43,4 61,5
1985 208,1 51,4 24,6 89,9 43,2 66,8
1986 211,7 48,3 22,8 89,3 42,2 74,1
1987 220,0 43,5 19,8 95,5 43,4 78,0
1988 233,9 46,6 19,9 104,5 44,7 82,8
1989 266,6 58,5 21,9 122,0 45,8 86,1
1990 299,0 72,0 24,0 130,0 43,4 97,0
1991 231,2 82,4 35,6 57,6 24,9 91,2
1992 222,5 94,0 42,2 54,2 24,4 74,3
1993 178,4 88,5 49,6 33,1 18,6 56,8
1994 193,4 78,5 40,5 39,6 20,4 75,2
1995 210,4 74,5 35,4 47,5 22,5 82,3
1996 199,3 69,5 34,9 47,5 23,8 73,9
1997 230,0 68,0 29,6 56,5 24,6 105,5

(Monatsberichte Deutsche Bundesbank 11/1974, 40; 11/1975, 15; 11/1977; 11/1978, 18; 11/1980, 16; 11/1983. 14; 11/1986, 15; 11/1988, 14; 11/1991, 16; 11/1993, 23; 11/1996, 38; 11/1998,30)

Zum Produzierenden Gewerbe gehören neben dem Verarbeitenden Gewerbe (der Industrie im engeren Sinne) auch Bergbau, Energie und Wasserversorgung und Bauindustrie. Die Zinszahlungen an die Banken fressen im Durchschnitt der 90er Jahre nicht mehr nur ein Viertel (wie in den 80ern), sondern mehr als Drittel des Gesamtprofits auf. Da ein höherer Tribut an das Bankkapital abgeführt werden, sinkt die industrielle Profitrate auch aus diesen Gründen. „Die 'Belastung' der Unternehmen, von der füngierende Kapitalisten reden, geht also von ihren 'co-partners' am Profit, den Geld- und Finanzkapitallsten aus" (SOST 1983, 62). Das ist insoweit übertrieben, als eine „Belastung" des industriellen Profits natürlich auch vom Staat ausgeht. Je höher der Anteil des Bankprofits am Gesamtprofit ist, desto mehr steigt der Druck der Konzerne, sich auf Kosten des Staates, also der Gewinnsteuern, schadlos zu halten. So betrachtet ist die bedeutende Senkung der Gewinnsteuern in den 90er Jahren auch ein Mittel, die gestiegenen Zinsen an die Banken aufzubringen. Der Anteil des industriellen Profits am Gesamtprofit (vor Steuern und vor Zinszahlungen) ist seit 1970 in der Regel etwa 35 bis 40%, unterbrochen nur von Krisenzeiten, in denen er auf 25%-30% gefallen ist. Im Laufe der Entwicklung aber hat sich in den 90er Jahren der Bankanteil auf Kosten des Staatsanteils erhöht.

Der höhere Zinsaufwand ist auf die gewachsene Verschuldung zurückzuführen.

Tab. 8 Bankkredite der Produktionsunternehmen

in Mrd. DM; ab 1992 Deutschland
1971 11,9
1972 11,5
1973 10,2
1974 8,7
1975 8,4
1976 9,5
1977 8,7
1978 9,4
1979 9,5
1980 7,6
1981 6,1
1982 6,0
1983 7,9
1984 8,3
1985 8,3
1986 9,4
1987 9,7
1988 10,0
1989 10,1
1990 11,1
1991 D

9,6

West 10,4
1992 9,0 9,6
1993 7,4 8,0
1994 8,9 9,7
1995 9,8 10,6
1996 10,1 10,9
1997 11,2 12,0

(Deutsche Bundesbank November 1994; Monatsberichte 5/1997, 40; 5/1998, 48, 50; 6/1999 36,38))

Innerhalb der acht Jahre von 1990 bis 1998 sind so viele Kredite aufgenommen worden, wie in den 40 Jahren von 1950 bis 1990!

Unternehmen brauchen in wachsendem Maße Kredite, weil der Anteil des Sachanlagevermögens am Gesamtkapital wächst bzw., weil sie wegen sinkender Profitraten Liquiditätsprobleme haben. Sie brauchen sie aber auch für die Finanzierung gewaltiger Aufkäufe bzw. Fusionen. Und sie brauchen sie, um ihren eigenen Kapitalüberschuß für noch günstigere Anlagezwecke einzusetzen.

Tab. 9 Verteilung des Profits an Handel und Transport
Produzierendes Gewerbe Handel Verkehr/ Nachrichten
A in Mrd. DM B

in Mrd. DM

C

in Mrd. DM

B:A

in %

C:A

in %

1970 77,8 26,5 7,5 34,1 9,6
1980 92,6 34,8 16,7 37,6 18,0
1990 151,4 45,9 27,3 30,3 18,0
1991 150,1 77,0 26,8 51,3 17,9
1992 137,5 68,0 22,7 45,1 16,5
1993 105,2 64,3 22,4 61,1 21,3
1994 117,1 76,8 31,5 65,6 26,9
1995 116,1 80,3 38,9 69,2 33,5
1996 119,6 82,1 29,9 68,6 25,0

1996 119,6 82,1 29,9 68,6 (in Mrd. DM - in jeweiligen Preisen; ab 1991 Deutschland)

(Statistisches Bundesamt 1991a, 1996 und 1998, Tab. 3.1.9)

Der Handelsprofit steigt tendenziell im Verhältnis zum industriellen Profit, ebenso der im Transportgewerbe und den Unternehmen der Nachrichtenübermittlung erwirtschaftete Profit. Das Handelskapital und das in Verkehr und Nachrichtenübermittlung angelegte Kapital entwickeln sich rascher als das in der verarbeitenden Industrie angelegte Kapital. Das drückt ihre gesüegene Bedeutung aus, schwächt aber das industrielle Kapital, drückt auf seine Profitraten und zwingt zu größeren Anstrengungen, die Verteilung der Profite wieder zu seinen Gunsten zu ändern.

Wenn die Realisierung von Profiten über den Verkauf von Waren schwieriger geworden ist, wachsen auch die Ausgaben für Werbung und Marketing, um die Produkte bei gestiegener Konkurrenz abzusetzen. Das senkt ebenfalls die industriellen Profitraten.

DGB: Kapitalrendite heute wie zu Vollbeschäftigungszeiten?

Der DGB-Bundesvorstand hat im April 1999 Berechnungen vorgelegt, die zeigen sollen, daß „die Kapitalrentabilität der Unternehmen... ausgezeichnet (ist) und so hoch wie in den früheren Vollbeschäftigungszeiten Anfang der siebziger Jahre" (DGB 1999, 17, vgl. auch Goergens 1995, 633).

Die Untersuchung bezieht die Nettogewinne (Bruttogewinne abzüglich Steuern) der Unternehmen (ohne Wohnungsvermietung und Bundesbank) preisbereinigt auf das Nettoanlagevermögen (Bruttoanlagevermögen abzüglich Abschreibungen) zu Wiederbeschaffungspreisen. Als Nettogewinne wurden die Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit (ohne Vermögen), abzüglich der vollen Lohnsteuerrückerstattungen gerechnet.

Tab.10 Netto-Kapitalrendite der Gesamtwirtschaft

1960 81,4 1990 1.046,8

1970 250,2 1992 1.275,2

1975 409,1 1995 1.690,6

1980 606,2 1996 1.858,0

1985 769,2 1997 1.978,2

1998 2.155,8

(ohne Wohnungsbau - ab 1991 Deutschland - D)

(DGB 1998, IS).__________

Auch diese Nettokapitalrendite sinkt bis zur Krise 1975, steigt bis 1979, fällt dann in der Krise 1980-82 wieder ab, um bis 1990 auf einen neuen Höhepunkt zu steigen und bricht in der Krise 1992/3 ein.

a) Goergens berechnet die Nettokapitalrenditen nur bis 1971 zurück. Die Renditen standen aber nach seinen eigenen Berechnungen z.B. 1960 erheblich höher als 1971 (Goergens 1986,112). Obwohl sie schon in den 60er Jahren fielen, waren sie z.B. im Krisenjahr 1966 genauso hoch wie später im Vollbeschäftigungsjahr 1971 (Goergens 1986, 113).

Legt man den Zeitraum der 60er Jahre zugrunde, ergeben sich andere Bezüge. Z.B.: Rendite 1998 nur wenig höher als im Krisenjahr 1966 oder: Renditen in den 90er Jahren unter denen der 60er Jahre.

Die Jahre der Vollbeschäftigung begannen außerdem nicht erst 1971, sondern schon 1968 bis 1970. 1968 bis 1970 waren die Nettokapitalrenditen deutlich höher als 1971, nämlich 12,9% gegenüber 11,9% (eigene Umrechnung nach Goergens 1986, 112). Die Rendite von 1998 liegt also nicht auf, sondern unter dem Niveau der Vollbeschäftigungszeit Ende der 60er Jahre.

b) Goergens bezieht nicht die Bruttogewinne, sondern die Nettogewinne auf das Sachanlagevermögen. Zu Recht sagt er:" Für die Unternehmen ist es entscheidend, was nach Steuerzahlung netto an Gewinnen und Rendite übrigbleibt''1' (ebda. 12). Für eine wissenschaftliche Analyse der Profitraten ist aber entscheidend, welche Profite vor ihrer Verteilung an den Staat erwirtschaftet wurden. Gewinnsteuern senken die Profitraten. Andererseits aber dienen sinkende Gewinnsteuern dazu, sinkenden Bruttoprofitraten entgegenzuwirken. Die Steigerung der Nettorenditen in den 80er und 90er Jahren war deshalb nur um den Preis einer massiven Senkung von Gewinnsteuern und dem entsprechenden Anstieg der Staatsverschuldung möglich. Die Bruttorendite von 1998 liegen dagegen deutlich unter dem Niveau von 1971.

c) Selbst wenn es stimmen würde, daß die Kapitalrendite 1998 genauso hoch ist wie 1971, muß der volkswirtschaftliche Preis dafür genannt werden. Er besteht in einer massiven Vernichtung von Arbeitsplätzen, mit der das Nettosachanlagevermögen relativ zum Arbeitskräftepotential reduziert worden ist, um dem Fall der Profitraten entgegenzuwirken.

d) Goergens bezieht die Gewinne nur auf das Sachanlagevermögen, als wären nur Maschinen und Gebäude, nicht aber Arbeitskräfte für die Produktion von Gewinnen notwendig. Die Gewinne müssen aber auch auf die Ausgaben für Bruttolöhne-und gehälter als einem Teil des investierten Kapitals bezogen werden. Würde er die Gewinne auch auf die Löhne beziehen, dann müßte er feststellen, daß auch relativ gegenüber dem Sachanlagevermögen sinkende Lohnsummen ein Mittel sind, die Profitraten wieder anzuheben. Inzwischen sinkt die Lohnsumme auch schon absolut.

Es ist ein offener Widerspruch, wenn im Hinblick auf die hohe Kapitalrentabilität gesagt wird, daß „eine gleichgewichtige Entwicklung von Löhnen und Gewinnen" (DGB 1999, 38) notwendig sei, wo doch die ungleichgewichtige Entwicklung und sogar sinkende Lohn- und Gehaltssummen eine Voraussetzung für die Steigerung der Renditen war. Goergens begründet die Notwendigkeit von Lohnerhöhungen mit der hohen Rentabilität, obwohl diese u.a. doch durch massive Lohnsenkungen zustandekam.

Während die Erhöhung der Arbeitslosigkeit u.a. die Anhebung der Renditen erst ermöglicht hat, schreibt Goergens:

,JDie zurückhaltende Lohnpolitik und die enorme Zunahme von Gewinnen und Kapitalrentabilität haben den Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht verhindern können" (DGB 1999, 37). Höhere Renditen waren kein Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sondern Arbeitslosigkeit ist umgekehrt seit mehr als 20 Jahren ein Mittel zur Bekämpfung von gesunkenen Renditen.

Die Profitraten fallen zwar langfristig. Sie können durchaus wieder frühere Höhepunkte erreichen, wenn entsprechend Ballast auf Kosten der Lohnarbeiterinnan und des Staates und auf Kosten von produktiven Investitionen abgeworfen worden ist.

Profitraten werden um den Preis gewaltiger, auf die Gesellschaft übergewälzter Verluste angehoben. Die Kehrseite der Anhebung von Profitraten besteht in höherer Arbeitslosigkeit, Lohnsenkungen und höherer Staatsverschuldung. Die gestiegene betriebliche Produktivität produziert eine wachsende gesamtwirtschaftliche Unproduktivität.

e) Alle Profite werden letztlich in der industriellen Produktion erwirtschaftet. Banken, Handel, Grundeigentümer und Staat eignen sich je nach den Kräfteverhältnissen einen Teil des Profits an und überlassen dem Industriekapital den Rest. Da die Industrie der Kern der Ökonomie ist, müssen in erster Linie die Profitraten für die Industrie errechnet werden. Die industriellen Profitraten werden umso geringer, je größer der Anteil der Banken, des Handels und des Transportgewerbes am erwirtschafteten Profit wird. Und genau das ist heute der Fall. Es reicht von daher nicht aus, eine gesamtwirtschaftliche Nettokapitalrendite zu berechnen. Das Bankwesen muß insbesondere auch deswegen ausgeklammert werden, weil sich die Rendite im Bankgewerbe nicht im wesentlichen auf das Nettosachanlagevermögen bezieht, sondern auch auf das insgesamt in Bewegung gesetzte Fremdkapital.

Steigende Investitionen: Ursache sinkender Profitraten

Das Nettosachanlagevermögen wächst schneller als die Bruttolohn- und Gehaltssumme. Wenn man die Gehälter des Leitungspersonals herausrechnen könnte, die überdurchschnittlich wachsen, würde das noch deutlicher. Die steigende Produktivität durch Investitionen vergrößert tendenziell den Anteil des Sachanlagevermögens am Gesamtkapital und vermindert den Lohnanteil. Investitionen drücken mehr aufdie Profitrate als Löhne. Darin liegt das Problem, nicht in den Lohnkosten.

Die Produktivität wird mit Investitionen in Maschinen und Anlagen gesteigert. Mit dem Fortschritt der Technik erhöht sich das Sachanlagevermögen, das pro Arbeitsplatz aufgewandt wird.

Die steigende Kapitalausstattung pro Arbeitsplatz wird von Ökonomen als Kapitalintensität bezeichnet.

Steigende Kapitalintensität

Die Kapitalintensität ist im verarbeitenden Gewerbe Westdeutschlands von 1970 bis 1995 pro Beschäftigtem um das 5 fache gestiegen (Statistisches Bundesamt 1991 a und 1996 Tab. 3.6.2 und IdW 1990 Tab. 62, IdW 1996 Tab. 57 und 60). Die Bruttolohnsumme ist in der selben Zeit nur um das 4,4 fache gestiegen.

1970 war das Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen in der Verarbeitenden Industrie 56,7 Mrd. DM. In der Zeit bis 1995 stieg es nur dreimal über 100 Mrd. DM. Der höchste Wert betrug 111,14 Mrd. DM im Jahre 1991. 1994 betrug es dann 57,01 Mrd. DM, soviel wie 25 Jahre zuvor. Die Gewinne haben sich maximal verdoppelt. Sie hätten wesentlich schneller steigen müssen, um die Renditen bei gestiegener Kapitalintensität zu halten. Verhältnismäßig zum eingesetzten Sachkapital ist die Rendite in der Industrie gesunken.

1970 betrug die Bruttolohnsumme noch 36,1% des investierten Gesamtkapitals. 1995 waren es nur noch 33,8%.

Der Hauptgrund für gesunkende Profitraten kann also nicht in „zu hohen" Löhnen bestehen. Er besteht in „zu hohen" Investitionen. Die Investitionen wachsen dem Kapital über den Kopf.

Besonders deutlich wurde das Problem in den letzten Jahren. In der verarbeitenden Industrie Westdeutschlands stieg das Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen von 1990 bis 1995 um 148 Mrd. DM (von 700 Mrd. DM auf 848 Mrd. DM), die Bruttolohn- und gehaltssumme stieg aber nur um 27 Mrd. DM von 407 Mrd. auf 434 Mrd. DM (Statistisches Bundesamt 1996 Tab. 3.3.3 und 3.6.2). Nur noch 15% des neu investierten Kapitals bestand aus Löhnen d.h. die erheblich gestiegenen Investitionen üben in wachsendem Maße Druck auf die Renditen aus.

- und sinkende 'Kapitalproduktivität'

Um ein Volkseinkommen (die Summe der Löhne, Gehälter und Gewinne) von l .000 Mrd. DM zu erzeugen, brauchte man 1960 im Produzierenden Gewerbe Produktionsmittel im Werte von 1515 Mrd. DM, 1994 im Werte von 2.500 Mrd. DM (alles in Preisen von 1991; Statistisches Bundesamt 1991a und 1996 Tab. 2.6.3, eigene Berechnung). Eine 2 1/2 fach größere Investitionssumme oder Sachkapitalausstattung war notwendig, um denselben Umfang von Löhnen und Profiten zu erzeugen. Bezogen auf den gleichen Umfang an Sachkapital waren das Volkseinkommen und darin eingeschlossen auch die Profitrate erheblich gefallen.

Der Sachverständigenrat nennt das sinkende „Kapitalproduktivität". Während die Lohnarbeiterinnen immer produktiver werden, wird das Kapital als ganzes immer unproduktiver.

Abschreibungen und Profitraten

Einerseits wirkt der beschleunigte Verschleiß der Produktionsmittel dem Fall der Profitraten entgegen, in dem er das investierte Kapital vermindert, auf das sich die Profite beziehen müssen. Damit wird auch der Druck auf die Protitraten vermindert. Die Abschreibungen überschreiten inzwischen sogar zeitweise die Bruttoan-lageinvestitionen.

Andererseits aber vermindern die Abschreibungen auch die ausgewiesenen Profite, deren Höhe über die Höhe der Profitrate entscheidet. Abschreibungen sind unversteuerte Geldmittel, die der Erneuerung des Anlagebestandes dienen. Je höher die Abschreibungen sind, desto niedriger sind die ausgewiesenen Gewinne, desto weniger bleibt übrig für Löhne bzw. in bezug auf den Staat für Gewinnsteuern, desto höher wird der Druck auf die Profitrate.

Die Gewinne stecken ebenso wie die Löhne in der Nettowertschöpfung. Die Nettowertschöpfung errechnet sich, in dem die Abschreibungen (und der Saldo von indirekten Steuern und Subventionen) von der Bruttowertschöpfung abgezogen werden.

Die Nettowertschöpfung entspricht dem über den Verbrauch von Vorleistungen und den Abschreibungen hinaus geschaffenen Neuwert.

In den Berechnungen des Sachverständigenrats erscheinen die Abschreibungen auf das Anlage- und Vorratsvermögen sogar als Hauptursache sinkender Kapitalrenditen. Ihr Anteil an den Erlösen (am Umsatz) hat sich von 1960 bis 1995 in Westdeutschland um fast zwei Drittel erhöht, während die Bruttolohn- und gehaltssumme plus Arbeitgeberbeiträge etwa gleich geblieben sind (Sachverständigenrat 1997, 256).

Je mehr investiert wird, desto größer müssen die Abschreibungen sein, also der Anteil des Überschusses (der Bruttowertschöpfung), der dem Ersatz der verbrauchten Produktionsmittel dient. Die Abschreibungen vermindern auch den ausgewiesenen Gewinn. Wenn die Profitmasse nicht im selben Verhältnis wie die Abschreibungen steigt, vermindert sich die Profitrate.

In den Abschreibungen stecken

* die rasche Entwertung von Produktionsanlagen, die technologisch nicht mehr auf dem neuesten Stand sind und deswegen ausrangiert werden;

* die Kapitalvernichtung im Gefolge von Fusionen, Stillegungen usw.;

* die überhöhten Abschreibungen, die die unversteuerten Gewinne erhöhen sollen;

* und die Sonderabschreibungen in besonderen Branchen.

Investitionen auf höherem technischen Niveau sind eines der Hauptmittel, auf betrieblicher Ebene den Druck auf die Profitraten abzumildern. Sie erhöhen die Produktivität und damit auch den Gewinn pro Beschäftigtem, indem sie Materialeinsatz und Lohnkosten pro Stück unter den Durchschnitt senken. Diese Entwicklung wird durch die Konkurrenz des Privatkapitals beschleunigt. „Überall wachsen durch Konkurrenz und immer schnelleren technischen Wandel Tempo und Kosten der notwendigen Innovationsinvestitionen. Immer -wieder geschieht es, daß ein Produkt schon von der Konkurrenz überholt ist, wenn es auf den Markt kommt, die Investition in das Produkt also abgeschrieben werden muß'1 (Afheldt 1994, 45).

Auf längere Sicht wird der Vorteil aufgrund der Konkurrenz aufgebraucht, weil sich der Anteil des Sachanlagevermögens im Verhältnis zu den Löhnen insgesamt vergrößert hat. Das führt zu einem weiteren Druck auf die Profitraten.

Wenn ein wachsender Teil der Profite zurückgelegt werden muß, um den Ersatz der Produktionsmittel zu finanzieren, sinken tendenziell die Nettoinvestitionen.

Nettoinvestitionen sind die Bruttoinvestitionen abzüglich der Abschreibungen. Ein immer größerer Teil der Bruttowertschöpfung fließt in den Ersatz des bestehenden Anlagebestandes. 1970 betrugen die Abschreibungen im verarbeitenden Gewerbe Westdeutschlands noch 8,6% der Bruttowertschöpfung, 1980 schon 10,3% und 1994 12,2% (Statistisches Bundesamt 1991a und 1996, Tab. 3.1.9). 1996 war der Anteil in Gesamtdeutschland, der 1991 noch bei 11,1 % gelegen hatte, auf 12,7% gestiegen (Statistisches Bundesamt 1998, Tab. 3.19). Der Antrieb für darüber hinausgehende Investitionen wird folglich schwächer.

Autor: --------------------------- Datum 03.05.1998 Mail: Webmaster@gabnet.com
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