G*A*B Psychologie
Psychologie
Zitate aus:
Thomas Szasz: Grausames Mitleid.

Die totale Marktwirtschaft: Das Credo
  • - Die wesentlichen Merkmale des Kapitalismus als politökonomisches System sind die Sicherheit des Privateigentums und die freie Marktwirtschaft.


Die Freien und die Feinde der Freiheit

  • - Im Feudalismus hatte die Aristokratie kraft ihrer Geburt ein Anrecht auf die Dienste der arbeitsfähigen Armen. Heute haben sich die Rollen beinahe umgekehrt: Die Bedürftigen und die Geisteskranken haben dank ihrer materiellen und mentalen Defizite ein Anrecht auf einen Prozentsatz des Einkommens der produktiv Tätigen.
  • - Minogue hebt zu Recht hervor, daß die unproduktiven Mitglieder der Gesellschaft aufgrund ihrer Abhängigkeit und Verführbarkeit eine Gefahr für die Freiheit darstellen. Und das ist noch nicht alles. Sie gefährden die Freiheit auch, weil die produktiven Mitglieder der Gesellschaft sowohl für sie als auch für ihre Pfleger und Wärter sorgen müssen.
  • - In Gesellschaften, die sich als „frei" bezeichnen, ist es nicht opportun, sich offen gegen die Freiheit auszusprechen. Dennoch wird Freizügigkeit nicht von jedermann geliebt. Viele Menschen schätzen Gesundheit und Sicherheit höher ein. Doch die Feinde der Freiheit brauchen diese gar nicht direkt anzugreifen. Statt dessen können sie ihre Abneigung gegen sie als Schutz der Gesundheit, speziell der psychischen Gesundheit, tarnen.
  • - Mit dem Wort produktiv bezeichne ich einen Menschen, der seinen eigenen Unterhalt verdient, indem er arbeitet oder sein Kapital riskiert (investiert); als unproduktiv bezeichne ich eine Person, die keines von beidem tut und daher ökonomisch abhängig von anderen (Familie oder Gesellschaft) ist; und mit dem Wort abhängig bezeichne ich jemand, der nicht fähig oder bereit ist, physisch oder sozial für sich selbst zu sorgen.
  • - Kurz, es gibt drei Möglichkeiten, wie jemand seinen Lebensunterhalt sichern kann: 1. als Abhängiger (...); 2. als Produktiver (...); 3. als Räuber, der anderen mit Gewalt oder der Androhung von Gewalt die Güter und Dienstleistungen raubt, die er benötigt und wünscht. Ein Individuum, das nicht produktiv werden kann oder will, muß ein Abhängiger oder ein Räuber werden oder zugrunde gehen.
Die Parasiten und Verbrecher
  • - Jemand kann obdachlos sein, weil er zu arm ist (...), weil ihm die psychologische und soziale Kompetenz fehlt (...), weil er einen verantwortlichen, geregelten Lebensstil (...) ablehnt, oder weil er weiß, daß er, wenn es ihm gelingt, sich als obdachlos zu definieren, Wohnraum auf Kosten des Steuerzahlers erhält.
  • - Die simple Wahrheit ist, daß manche Menschen es vorziehen, ihr Geld nicht für eine Behausung aufzuwenden (sondern vielleicht lieber für den Kauf von Drogen), daß sie es ablehnen, bei Familienmitgliedern zu wohnen, die bereit wären sie aufzunehmen, und ein Leben in psychischer Krankheit, Verbrechen und Landstreicherei bevorzugen.
  • - Das SSI-Programm [vergleichbar unserer Sozialhilfe] stellte für Legionen chronischer Psychiatriepatienten geradezu eine ökonomische Unabhängigkeitserklärung dar. Existentiell gesehen ist das Dasein als stationärer Psychiatriepatient immer eine Art Beruf gewesen. Fortan wurde es auch zu einem wirtschaftlich lohnenden Beruf.
  • - In früheren Zeiten wurde derjenige, (...) der nichts lernte, nicht heiratete, keine Arbeit fand und zu keiner taugte -, von seiner Familie versorgt, oder er wurde zu einem Vagabunden, der sein Leben am Rande der Gesellschaft fristete. Seine Verwandten werden ihn entweder als „Taugenichts" oder als „armen Teufel" bezeichnet haben. Jetzt nennen sie ihn psychisch krank, gewöhnlich schizophren.
  • - Es war schlimm genug, daß Psychiater Obdachlosigkeit auf psychische Krankheit zurückführten. Die Gefahr bei dieser Taktik hielt sich jedoch in Grenzen, da Psychiater bekannt dafür waren, daß sie badness (Schlechtigkeit) auf madness (Verrücktheit) zurückführten
  • - Einfach ausgedrückt, jemand, der Diabetes oder Bluthochdruck hat, ist nicht notwendigerweise unproduktiv oder kriminell, während Personen, bei denen Schizophrenie oder antisoziale Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde, typischerweise unproduktiv sind und sich häufig in einer Weise verhalten, die als gesellschaftsfeindlich oder kriminell bezeichnet wird.
  • - „Kriminalität ist leichter als Differentialrechnung". Schizophrenie ist gleichfalls leichter als Differentialrechnung.
  • - Die Tatsache (...), daß sich sowohl Parasitismus als auch Verbrechen „auszahlen", erklärt die erhöhte Häufigkeit beider Verhaltensmuster in Zeiten gesellschaftlicher Umwälzungen und unter Angehörigen der Unterklasse. Letztens, nachdem viele der Menschen, die wir psychisch krank nennen, de facto räuberisches Verhalten praktizieren, und nachdem viele andere ihre Abhängigkeit in nötigender quasiräuberischer Weise einsetzen, stellt sich heraus, daß der angeblich so rätselhafte Zusammenhang zwischen Verbrechen und psychischer Krankheit gar kein Rätsel ist.
  • - (...) die bekannten Grundtatsachen der Existenz, nämlich, daß manche Menschen arbeiten und andere nicht und daß das Geschäft der Psychiatrie darin besteht, Armenfursorge (getarnt als medizinische Versorgung) an erwachsenen Abhängigen zu betreiben (deren Faulheit und Zügellosigkeit sich als Krankheit tarnt) 


Die Umverteiler, linke Nutznießer

  • - Leute, die das Thema Obdachlosigkeit in der Absicht behandeln, mit dem Geld der Steuerzahler Wohltäter zu spielen, haben ein begründetes Interesse daran, die Zahl der obdachlosen Personen aufzublähen und ihre Notlage auf einen Umstand zurückzuführen, für dessen Behebung sie eine besondere Sachkenntnis in Anspruch nehmen.
  • - Papst Johannes Paul II. unterstrich diese Mischung aus antikapitalistischen Phrasen und Neiderweckung, indem er auf die UN-Defmition von Obdachlosigkeit als „Mangel an einer angemessenen Unterkunft" hinwies.
  • - Die psychiatrisch korrekte Einstellung zur psychosozialen Versorgung ist heute durch und durch sozialistisch.
  • - Kommandoarbeit [nennt Szasz] die bürokratische Einmischung bzw. die Dienstleistungen, die man euphemistisch „Arbeit mit Menschen" nennt und die von der Regierung bezahlt werden. Gleichgültig, ob man Kommandoarbeit als moralisch lobenswert ansieht oder nicht, ist es falsch, eine bürokratische „Dienstleistung" in den gleichen Topf zu werfen wie Arbeit, die die Bedürfnisse eines zahlenden Konsumenten befriedigt. (...)

    Ob wir mehr Autos und Getreide produzieren und verkaufen oder mehr Psychiatriepatienten (Schizophrene) und Häftlinge (Drogentäter), das Bruttosozialprodukt steigt so und so. Dies ist einer der Gründe, warum die heutige amerikanische Gesellschaft gar nicht genug Heiler und Helfer hervorbringen kann, die unter dem Vorwand, ihre Lebens- und Arbeitsfähigkeit zu erhöhen, behinderte Menschen endgültig zu Invaliden machen.
  • - Der Jakobiner, der Kommunist, der Psychoanalytiker, der Laingia-ner und die Feministin - sie alle haben aus ihrer jeweiligen Sicht die Familie schärfstens kritisiert und die Entwicklung persönlicher Autonomie gehemmt, gewöhnlich unter dem Vorwand, sie zu fördern. 
  • - In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die amerikanische Gesellschaft dem Grundsatz verschrieben, Kindern weniger und Erwachsenen mehr Grenzen zu setzen, mit dem Ergebnis, daß die Kinder hemmungsloser und die Erwachsenen kindischer wurden. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum Kinder heute mehr Verbrechen und Suizide begehen als in früheren Zeiten.
  • - Die Anwaltsschwemme. (...) Anwälte und Politiker sind überwiegend Einkommensumverteiler. Psychiatriepatienten und Kriminelle sowie das Personal, das für ihre Verwahrung und Betreuung zuständig ist, sind Nutznießer der Einkommensumverteilung. Es sollte uns daher nicht überraschen, daß die Vereinigten Staaten pro Kopf die meisten Rechtsanwälte, die meisten Kriminellen und die meisten Psychiatriepatienten in der Welt haben.
  • - Leuten zu bezahlbarem Wohnraum zu verhelfen ist nur der vorgebliche Zweck der Mietpreisbindung. Ihr eigentlicher Zweck ist, die Wiederwahl von Politikern zu sichern, und das bringt die Preisbindung sehr wohl zuwege.
  • - Die Hauptursachen der Obdachlosigkeit sind in den Vereinigten Staaten heute die Mietpreisbindung, die gentrification (der Einzug sozial Bessergestellter in heruntergekommene Wohnviertel) und die Abschaffung des Gesetzes gegen Landstreicherei. Der Krieg gegen Drogen ist ein weiterer dazu beitragender Faktor.


Laissez-faire, laissez-mourir?

  • - Es ist Torheit, das Betätigungsfeld des „therapeutischen Staates" bewußt auszuweiten, indem man den Personenkreis der Anspruchsberechtigten gegenüber seinen Dienstleistungen um neue Kategorien erweitert, wie sexuell aktive Halbwüchsige (die schwanger werden oder Aids bekommen könnten) oder erwerbstätige Erwachsene (die legale oder illegale Drogen konsumieren oder spielen). Diese Personen benötigen weder die Dienstleistungen des Staates noch verdienen sie sie in dem Sinne, in dem, sagen wir, ein verwaistes Kind oder ein bedürftiger alter Mensch sie benötigt und verdient.
  • - Wir brauchen kein medizinisches Fachchinesisch, um zu wissen, daß ein in der Welt alleinstehender, notleidender Mensch körperlich, geistig und seelisch kaum gesund sein dürfte. Den Drogenkonsum eines solchen Menschen als „verhinderbar" zu bezeichnen ist eine grausame Lüge. (...) Doch die American Medical Association erwartet von den Letzten im Lande, daß sie ihre elende Existenz ohne Drogen fristen.
  • - Von der Fürsorge abhängige Engländer erhielten erst 1918 zusammen mit den Frauen das Stimmrecht.Anm.: Ich referiere diese Ereignisse, ohne den Eindruck erwecken zu wollen, daß ich es für eine gute Sache halte, Personen ohne materiellen Anteil an ihrer Gesellschaft das Wahlrecht zu gewähren.
  • - Das Tollhaus ist jetzt überall und macht unsere Straßen und Parks sowohl abstoßend als auch unsicher. Abstoßend, weil wir inakzeptables Verhalten von Personen dulden, solange diese de jure als Psychiatriepatienten klassifiziert werden; und unsicher, weil viele dieser Individuen aggressive Handlungen begehen und andere ihres Eigentums, ihrer Freiheit oder gar ihres Lebens berauben.
  • - Der Schutz von Freiheit und Eigentum vor all jenen, die diese Werte mißachten oder zerstören, sollte die Aufgabe von Richtern, Strafkammern und Gefängniswärtern, nicht von Psychiatern, Psychologen und Sozialarbeitern sein.Alle Zitate sind aus: Thomas Szasz: Grausames Mitleid. Über die Aussonderung unerwünschter Menschen (1997)
Autor: Prof Dr. Thomas Szasz 
Datum .22.12.00G*A*B - Datum: 22.01.01 Mail: c/o brain@gabnet.com
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