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Politik


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...und die Behörden - Mafia

Waren es in den 68ern u.A. die Notstandsgesetze, die einen Großteil der Bevölkerung, Studentenschaft und verantwortungsbewußten Bürger zu bedenklichem Aufruhr veranlaßten, so ist 30 Jahre danach, wo, wenn man sich die derzeitige Situation betrachtet, mit den Abhörgesetzen, dem "Großen Lauschangriff" des Staates auf das Volk, eine Situation eingetreten ist, die noch um ein Vielfaches bedrohlicher für die bürgerliche Selbstbestimmung und individuelle Freiheit ist, keinesfalls ein so massiver Verantwortungsübernahmeversuch durch den Bürger dem Staat gegenüber zu verzeichnen, wie es damals der Fall war.

Fast 30 Jahre lang wurde bei allen möglichen Anläßen darüber resoniert, wie wenig doch von den 68ern erreicht worden sei und die relative Erfolgslosigkeit als Beleg für deren Unfähigkeit genommen, vor allem dann wenn es darum ging, die nachfolgend auftretenden Probleme zu beurteilen, zu verantworten und ihnen zu begengnen, und vor allem von denen die die Bewegung von Anfang an sabotierten und bekämpften um sie später für sich als Beweis für die Richtigkeit der eigenen Position zu reclamieren und zu benutzen, und damit die damaligen Intentionen auf einige wenige Aspekte zu reduzieren.

Der damals angekündigte lange Marsch durch die Institutionen ist irgendwo im Niemandsland unauffindbar versickert, zumal sich an diesem langen Marsch in trauter Eintracht auch die Feministen beteiligt haben und das mit in ihrem Sinne durchschlagenden Erfolg, da ihre natürliche Affinität zu solcherart Struktur in hohem Maße gegeben ist, und die meisten der damaligen Galionsfiguren, -nicht die Träger der Bewegung-, die es schafften, den Kopf in unsolidarischer, verleugnender Weise über der Scheiße zu halten verstanden es zwar, mittels neuer anderer Träger etwas abseits vom Durchschnitt im pseudorevolutionären Randbereich wieder Profil zu bekommen, allerdings nur, um weiter und wiederum nur als Galionsfiguren zu agieren, ihre ursprünglichen Motivationen vergessend, leugnend, oder verratend.

Wer ist denn der Verlierer der 68er?

Ist es nicht in Wirklichkeit das Volk?, die Bürger die die Bewegung nicht oder nur halbherzig oder in Minderheit unterstützt haben? Weil sie sich ihrer typisch deutschen Obrigkeitshörigkeit nicht entledigen konnten? Denn gewollt haben es, wie immer, wohl mehr, als es wirklich versucht haben.

Wem nützt der Hinweis: mit den Deutschen konnten einige wenige schon immer machen was sie wollten. Wohl eine Binsenweisheit.

Es ist die deutsche Seele die keine Eigenverantwortung kennt und damit kein Selbstbewußtsein außer im Ausland, wo sie sich in Kompensation ihrer Unfähigkeit, ihrer gottverdammten Pedanz, Kleinkariertheit und Ordnungsliebe selbst als die Größten, Besten, Fähigsten feiern bzw. gegen Bezahlung feiern lassen, um so gestärkt wieder nach Hause zu fahren und sehnsüchtig für die nächste Möglichkeit zu arbeiten und zu ducken, sich dieses virtuelle Erlebnis der Selbstverarschung, Selbstbetruges und kollektiver Selbstverdummung wieder neu erkaufen zu können oder gegen Geld bestätigen zu lassen.

Daß mittlerweile die deutschen Behörden unter Mitwirkung der Justiz die wohl weltweit mit die größte, kapitalkräftigste, sauberste und effektivste Mafiastruktur aufweisen, gegen die Politiker, die nicht mit ihr zusammenspielen, keine Existenz- bzw Durchsetzungsmöglichkeit haben, scheint Niemanden zu stören solange man noch auf die Italiener, Russen, Chinesen oder Japaner verweisen kann, obschon dort die staatlichen Anbindungen der jeweiligen Mafiaorganisationen wie Triaden, Jakuza, etc. längst  nicht so weitgehend sind wie bei den Deutschen, die den Bock dank ihrer Gründlichkeit komplett zum Gärtner gemacht haben, und im Ignorieren waren die Deutschen schon mal Weltmeister.

Lediglich in den USA deutet das offensichtliche Verschwinden der Mafia darauf hin, daß ihr auch dort behördliche Sanktionen zuteil wurden (siehe Kennedy etc) und sie in die staatlichen Institutionen integriert wurden.

Wer einmal in einer Position des Höheren Dienstes erlebt hat, mit welcher fast Schmerzen bereitenden Unterwürfigkeit Spitzenvertreter der Industrie vorstellig werden um Entscheidungen zu beeinflussen, kann sich denken, daß unter solchen Bedingungen Intellekt, Verantwortung und Vernunft nicht gefragt sind, sondern das vermittelte Machtgefühl in dem sich der Staatsbedienstete bar jeglicher Fähigkeit suhlen kann wohl wissend, das die Gegenseite ihm jederzeit ob seiner wahrscheinlichen Unfähigkeit Probleme bereiten könnte im Falle des Versagens, oder höheren Ortes natürlich, wo das Ganze unter der Bezeichnung Lobbyarbeit hochoffiziellen Charakter hat, und die Industrie eine selbstbewußtere Position.

Ich empfand es als äußerst bestechendes Erlebnis. Was brauchts da noch Wissen, Verantwortung und Denkfähigkeit?

Diese Behördenmafia hatte darüberhinaus fünfzig ungestörte Jahre Zeit sich zu entwickeln und zu festigen, da ein Ausscheiden der Beamten nicht vorgesehen, und lebenslange Absicherung gegeben ist, incl. massenweiser Einnahmen durch Bestechungsgelder, im großen Stil der Industrie, im kleineren dafür häufigeren Stiel vieler Bürger, Selbständigen und sonstwie Abhängigen verbunden mit entsprechenden Auftragsvergaben und damit  Schaffung von weiteren Abhängigkeiten.

Ohne diese Einkommensbeschaffungsmaßnahmen und Systemstabilisierungsmaßnahmen (Der Staat sorgt auf Kosten der Bevölkerung sehr wohl in vielfältiger Weise für das Einkommen seiner von ihm abhängigen willfährigen Bediensteten wie Justiz, Rechtsanwälte, teilw. Gesundheitswesen, etc. per Gesetze, die deren Inanspruchnahme durch den Bürger direkt oder indirekt erzwingen) würde z.B. ein Großteil des staatsabhängigen Gutachterwesens nicht existent sein, der gesamte Psychoapparat würde zusammenbrechen ebenso wie viele andere Bürger- und Menschenzerstörenden und -unterdrückenden Organisationen deren Hauptaufgabe es ist, unter dem Mantel der Sozialversorgung in Wirklichkeit eine totale Gängelung und Unterdrückung der Bevölkerung in der vermeintlich freiheitlichen Demokratie zu bewerkstelligen.

Daß es in Deutschland unter solchen Bedingungen keine weitere Mafiastruktur geben kann (und braucht) dürfte auf der Hand liegen.

Und wen interessiert es schon daß ein Großteil der Parlamentarier eben solche Staatsbedienstete sind, die per demokratischer Abstimmung bereits Einfluß auf die Vorgänge und Entscheidungen nehmen, die sie später selbst in den Behörden weiter verhackstücken und ihren Vorstellungen entsprechend umsetzen.

Daß unter diesen Aspekten demokratische Wahlen kaum irgendwelche grundlegenden Auswirkungen zeitigen liegt auf der Hand und wird nach der nächsten Bundestagswahl wohl ein weiteres mal Bestätigung finden. Den immer Mehr werdenden Nichtwählern sei zugestanden, daß sie längst begriffen haben, daß mit demokratischen Wahlen dieser massiven Behördenmacht keine grundlegende Veränderung abzuringen ist, aber stattdessen zu resignieren anstatt zu agieren ist dann eher noch verwerflicher.

Der Lauschangriff auf das Volk dürfte wohl eine der letzten Hürden vor der vollständigen Volkskontrolle sein und damit die deutsche Demokratie in den Cyberspace verbannen. Und da die Presse daran kräftig mitgewirkt hat, wurde ihr ja auch der Zugang zur Schutzzone in letzter Minute zugestanden, womit auch sie sich kräftiger und staatskonformierter zeigte als das dumme Volk, das jetzt hilflos und alleingelassen der Schnüffelei ausgesetzt ist. Die noch möglichen Modifikationen der Durchführungsverordnungen, von der SPD verlangt, sind dagegen nur noch als Makulatur anzusehen. Danke Henning, für deinen letzten vergeblichen Versuch.

Volkes Wille ist inzwischen pervertierterweise zum Synonym für Volksgängelung und Unterdrückung geworden, die veröffendlichte Meinung (u.A.Medien-zensiert) drückt der öffentlichen Meinung ihre Intentionen auf um sich dann selbst als "Öffentliche Meinung" zu präsentieren, und das alles natürlich im Namen des Volkes und von ihm bezahlt und erarbeitet entsprechend dem weisen Spruch: "In einer Demokratie wählt das Volk sich seine Henker selber."...es wählt sie nicht nur, es nährt sie auch. Das ist doch wohl Masochismus in seiner reinsten Form, und von den Masochisten zu den Sadisten ist es bekanntlich nicht weit, da sie letztendlich identisch sind.

Auch dabei drängen sich Parallelen zu den 68er Vorgängen auf.:

Da dürfte der jämmerliche Vorschlag der Berliner studentischen - Aktivisten zur Einflußnahme durch Unterwanderung und Übernahme der FDP per Mitgliedschaft genauso enden wie in den 68ern, wo dieser Vorschlag 1967 zumindest in Frankfurt heiss diskutiert, durchgerechnet und auch konkret angegangen wurde und die FDP rieb sich auch damals erwartungsfroh die Hände mit dem bekannten Ergebnis.

Es ist ganz einfach müßig, sich der alten 68er Rezepte zu bedienen als ob man nichts dazugelernt hat, und dann noch mit viel geringerem Drive.

Als 68er kann ich mich das erste Mal, bezüglich der geäußerten Kritiken in der Zeit danach, heute nur noch totlachen.

Nicht die Rebellen, nicht die Intelligenz, nicht das Volk haben dazugelernt, sondern das System, die Ignoranz, die Strukturen, die keine Vorwärtsentwicklung, keine Evaluation mehr zulassen sondern nur noch Restriktion und progressive Regression.

Die allgemeine Resig-Nation Deutschland ist offensichtlich bestenfalls nur noch zum halbherzigen disziplinierten Nachahmen fähig.
 

Gerhard Hanenkamp 2/98

Zum Thema Behörden-Mobbing ein Link : Die Macht der Mittelmäßigkeit
und Zocker und Bürokratie: Mißstände und Sünder
Siehe auch: Unter dem Pflaster liegt der Strand - die 68er
und Günther Nenning's Kommentar zu den österreichischen 68ern und 96ern


Autor: Gerhard Hanenkamp  Datum 15.02.1998 Mail: brain@gabnet.com
Verteiler:HAUPT / MÄNNER / POLITIK / JUSTIZ/ WIRTSCHAFT /  LITERATUR   / KUNST / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK  / CHRONOLISTE
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