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Friedenspreis an Habermas

Der Philosoph Jürgen Habermas erhält am 14. Oktober 2001 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Jürgen Habermas hat diesen Preis wahrlich verdient, eine „Sonntagsrede“ dürfen wir von ihm nicht erwarten. 

Der Preis war „überfällig“ (Oskar Negt in der Süddeutschen Zeitung vom 8. Juni 2001. Als Philosoph, „Staatsdenker“ (so die Frankfurter Rundschau vom 8. Juni 2001) und „intervenierender Denker“ (FAZ vom 8.6.2001). 

In der Begründung des Stiftungsrats für die Wahl Jürgen Habermas’ zum diesjährigen Friedenspreisträger heißt es: „Mit dem Friedenspreis ehrt der Börsenverein Jürgen Habermas als den Zeitgenossen, der den Weg der Bundesrepublik Deutschland ebenso kritisch wie engagiert begleitete, der mehr als einer Generation die Stichworte zur geistigen Situation der Zeit vermittelte und der von einer weltweiten Leserschaft als der prägende deutsche Philosoph der Epoche wahrgenommen wird.“

Das wird nicht jeder unterschreiben wollen. Habermas wird als „Deutschlands gealterter Großintellektueller“ (Der Spiegel, 1/1999) karikiert, als „Sesselfurzer“ (so Hans Peter Duerr in einem Brief an Paul Feyerabend) tituliert, dem zudem ein „eingeschränktes Demokratieverständnis“ zu bescheinigen ist (vgl. Rakowitz Nadja, Einfache Warenproduktion, S. 172, Freiburg 2000). Es ist auch überhaupt „keine Kunst Habermas zu kritisieren“ (Cr. Türcke), weil „eine Theorie, die so kritisch ist, daß ihr von der FAZ staatsbürgerliche Loyalität attestiert wird, (zur) ... Aufrechterhaltung der globalen Ausbeutungs-, Verblödungs- und Dekonstruktionsverhältnisse ...(beiträgt). Kritisches Denken, das sein Telos an der Negation dieser Verhältnisse hat, negiert somit auch diese Theorie“ (R. Johannes). Das alles ist harmlos, denn Heide Berndt hat die Klinge besonders gut sich gewetzt: „Während Horkheimer den Spätkapitalismus ebenso wie den Staatskapitalismus und damit das gesamte 'Projekt Moderne' unnachgiebig kritisierte, weil ihn der Terror der Massenvernichtungsaktionen im 20. Jahrhundert zutiefst entsetzt hatte, verharmlost Habermas das Bedrohliche das in dieser Moderne lauert ... Von dem Begriff Kritische Theorie oder Frankfurter Schule bleibt bei Habermas und seinen Schülern nur der bloße Name; die Inhalte haben sie in andauernder 'Rekonstruktions- und Reformulierungsarbeit' in ihr Gegenteil verkehrt.“

Für einen spanischen Philosophen kennzeichnet gerade Habermas das „Ende der Frankfurter Schule“, für ihn ist „Habermas kein verehrungswürdiger Heiliger. Er postuliert eine Art dialogischen Transzendentalismus als Modell des Konsens, der dem Entwurf einer kommunizierenden Gesellschaft eine rationale oder legitime Ordnung geben soll. Dies scheint mir abwegig, ich fühle mich ganz krank, wenn ich in solchen Ausdrücken rede; sie sind von einer offenkundigen Barbarei. Ich sehe hier die Keimzelle des totalitären Denkens ...was Habermas betreibt ist meiner Meinung nach Ideologie, nicht Philosophie ...“ (Eugenio Trias in einer Hörfunksendungsendung des BR vom 7.9.1988) 

Nun gut, wir können den Friedenspreisträger auch freundlicher sehen:

„Habermas' Versuch, eine umfassende kritische Theorie der Gesellschaft zu entwickeln, ist außerordentlich ehrgeizig, ungemein plausibel - und höchst frustrierend ... Habermas, der sich auf einen Prozeß ständiger Selbstkritik eingelassen hat, ist weit überzeugender beim Stellen relevanter Fragen als beim Anbieten klarer und unzweideutiger Antworten.“ (R.J. Bernstein)

Wir können aber auch, nochmals Oskar Negt, der zu den schärfsten Kritikern von Habermas auch mal gehörte (vgl. „Die Linke antwortet Jürgen Habermas“), zitieren, daß Habermas „wo ... Grundpositionen seines Denkens berührt sind, wo seine politische Moral herausgefordert und bloße Machtentscheidungen mit einer Legitimationsfassade ausgestattet werden, (er) ... fast instinktiv in die Debatte ... (eingreift) oder eröffnet.“ (SZ vom 8.6.2001)

Letzter Eingriff „Die Zukunft der menschlichen Natur. Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik“

Und wenn Oskar Negt auch nur bedingt recht haben sollte, was ich nicht glaube, dann haben wir Jürgen Habermas einiges zu verdanken. Jürgen Habermas ist ein würdiger Preisträger, wer daran zweifelt, ist leider nicht satisfaktionsfähig und entzieht einer „diskursiven Willensbildung“ sich schon. Der Widersprüchlichkeit mir wohl bewußt verbleibe ich mit

Gruß

Burkard Kircher

 



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Autor: Burkard Kircher 
Erstellungsdatum 00.00.0000 G*A*B - Datum: 07.10.01              Mail: Burkard Kircher
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