Mittwoch den 29. August 2001
Umgangsrecht: Protest geht weiter
Dem aus Südafrika angereisten Vater wurde vereinbartes Treffen mit Kindern verwehrt

Von Ulrich Müller-Heinck
 Der Südafrikaner Michael Hickman demonstriert mit Unterstützung von Freunden seit Anfang der Woche erneut öffentlich in Wilhelmshaven -jetzt an der Bismarck-/Ecke Baudissinstraße -, um seine beiden bei der früheren Ehefrau lebenden Kinder sehen zu dürfen. Wie von der WZ berichtet, war im Zusammenhang mit einem Termin beim Familienrichter am Amtsgericht am 15. August ein Treffen Hickmans mit seinen beiden sieben und elf Jahre alten Söhnen für den 21. August vereinbart worden. Dieser Termin - unter Teilnahme einer Psychologin und einer Vertreterin des Jugendamts - kam nicht zustande; die Mutter lehnte Stunden vorher ab, angeblich, weil sie sich über die Presseveröffentlichung in der Woche zuvor geärgert habe.

Hickman, der seine Kinder zuletzt während der Schulferien im April vergangenen Jahres gesehen hatte, will jetzt so lange in Wilhelmshaven für sein Umgangsrecht demonstrieren - notfalls wiederum mit einem Hungerstreik -, bis es zu dem zugesagten Treffen komme.

Zusammen mit Bernd Uhl, dessen Frau sich mit dem gemeinsamen Kind nach Canada abgesetzt hatte, sowie aus Frankreich erwarteten weiteren betroffenen Elternteilen will Hickman auch über seinen persönlichen Fall hinaus das Auge der Öffentlichkeit auf die generelle Problematik richten.Internationales Medienecho hatte zuvor eine Hungerstreikaktion unter der Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz ausgelöst. Die derzeitige Aktion in Wilhelmshaven läuft parallel zu einer Demonstration während der UN-Weltkonferenz in Durban. Weitere Aktionen kündigt die Children Rights International-Internetadresse www.josah-sehpferd.de für New York und Paris an.

Der französische Anwalt Matthias Bloch, der Hickman seit einigen Wochen vertritt, hat Anfang des Monats in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Schröder auf die unverhältnismäßig hohe Zahl von Kindern in Deutschland, die nach einer Scheidung von einem Elternteil getrennt sind, hingewiesen. Der Heidelberger Professor Jayme bezeichne Deutschland im Familienrecht sogar als „das Schlusslicht in Europa".

Gerne werde gedacht, so Bloch, dass eine gescheiterte Familie am besten in eine „neue" zu verwandeln sei, indem der alleinerziehende Elternteil einen neuen Partner und das Kind am besten auch einen neuen Namen erhalte.

Eine solche „Lösung" überhaupt für gangbar zu halten, sei nur durch ein radikales Wegsehen und Nichtzurkenntnisnehmen der schweren Schäden möglich, die sich in der Person des Kindes und des ausgeschlossenen Elternteils ereigneten. Bloch kritisiert eine „gewisse Laxheit" der deutschen Rechtspraxis, den Fortbestand der Eltern-Kind-Beziehung nach einer Trennung grundrechtlich zu schützen, wie dies eigentlich vom Verfassungsgericht vorgegeben sei. Der Anwalt, der als Referent zum Deutschen Familiengerichtstag im September in Brühl eingeladen ist, will das Thema der Kinder getrennter binationaler Eltern und die Handhabung durch die Behörden in der Bundesrepublik auch mit Justizministerin Herta Däubler-Gmelin erörtern.

Die Buchautorin Dr. phil. Karin Jäckel unterstützt ebenfalls die internationale Protestaktion in Wilhelmshaven. Sie appelliert, dabei mitzuhelfen, dass alle Kinder in Deutschland künftig auch nach der Trennung ihrer Eltern beide Elternteile und beide Großelternpaare und beide Hälften der Großfamilie lieb haben dürfen und ganz selbstverständlich mit ihnen zusammen sein können.


Mutter kritisiert Aktionen des Vaters
Nicola Hickman: „Kinder lehnen den Umgang ab"

Nach Veröffentlichungen über Protestaktionen des Südafrikaners Michael Hickman, der in Wilhelmshaven für ein Umgangsrecht mit seinen sieben und elf Jahre alten Söhnen demonstriert, hat sich jetzt die Mutter der Kinder zu Wort gemeldet.

Zwar stehe ihrem Ex-Ehemann ein Umgangsrecht zu, es habe jedoch, so Nicola Hickman, wegen mehrfacher Kurzschlussreaktionen zunächst nur in Form eines sogenannten „begleiteten Umgangsrechts" gewährt werden können. Als Vater sei er durch Gerichtsurteil zur Unterhaltszahlung verpflichtet, zahle jedoch nicht. Leistungen würden durch die öffentliche Hand erbracht.

Nicola Hickman kritisiert, dass ihr früherer Ehemann mit Hilfe eines Anwalts seine Position öffentlichkeitswirksam in Form von Demonstrationen und Publikationen darstelle. Sie als Kindesmutter und ihre Familie seien ebenso wie ihre Anwälte, das Gericht und die Vertreterin des Jugendamtes über das Internet herabgesetzt worden. Trotzdem sei sie bereit gewesen, ein begleitetes Umgangsrecht (unter Aufsicht) zu gewähren. Ihre Kinder seien nach der WZ-Veröffentlichung vom 16. August in der Schule von Mitschülern zu ihrer Situation und der Person des Vaters befragt worden. Die Kinder hätten sich gegenüber der zuständigen Mitarbeiterin des Jugendamtes deutlich gegen einen weiteren Umgang mit dem Vater ausgesprochen.

Sie habe als Mutter, so Nicola Hickman, darauf keinen Einfluss genommen. Vielmehr seien ihre Versuche und die des Jugendamtes, die Kinder zur Aufgabe dieser ablehnenden Haltung zu bewegen, erfolglos geblieben.


Auch Mütter sind unter den Betroffenen
Zum Artikel „Väter demonstrieren für Umgangsrechte mit ihren Kindern" in der WZ vom 16 August bezogen auf den Artikel mochte ich bemerken, dass unter den Betroffenen in Berlin nicht nur Väter sind, sondern auch Mütter, insbesondere aus Frankreich oder Polen. Die dramatische, familienfeindliche und wenig kinderfreundhche Praxis in Deutschland trifft also unabhängig von Geschlecht Väter und Mütter Ich möchte im Übrigen auch auf den skandalösen Fall von Lady Catherine Meyer hinweisen, Gattin des englischen Botschafters in Washington, die seit Jahren ihre beiden Söhne aus erster Ehe nicht sehen kann. Das, was in Deutschland mit Vätern, Muttern und Kindern passiert, ist teilweise ein seelisches Todesurteil. Kinder können dauernde Schäden davontragen, die sich spätestens zur Pubertät zeigen
Wenn Herr Hickmann seine beiden Söhne nicht sehen darf, wird er daran zerbrechen  Ich will hoffen, dass das nicht eintritt „humainement vötre'"
 

Carole Normand
10555 Berlin


Foto: Gerhard Hanenkamp-WHV-Zyklop
In Wilhelmshaven gefunden:

ein
Mahnmal gegen einseitige Ausbildungen
 

Fotos: Gerhard Hanenkamp


siehe auch:
Väter demonstrieren für Umgangsrecht

Hinweis: 
Siehe Berliner Hungerstreik
Bernd Uhl /
 

Autor: Ulrich Müller-Heinck / Wilhelmshavener Zeitung
Erstellungsdatum 00.00.1999 G*A*B - Datum: 31.08.2001   Mail: 
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