Dr. Karin Jäckel
Kritik zum Bericht über den Männerbeauftragten Thomas SchröderDr. Ingrid Scherzer-Hartz im "Neuen Deutschland"
Neues Deutschland  vom 7.1.99 
Zitat<Die Provinz gilt als rückständig. Von Wegen. Sie ist die Avantgarde.

"Vielleicht ist in fünf Jahren ein solches Amt schon selbstverständlich" meine der 
Bürgermeister von Drochtersen im Lande Kehdingen am Oberlauf der Elbe. In fünf 
Jahren wird es womöglich den Männerbeauftragten geben, den der Gemeinderat 
jüngst noch mit 13 gegen neun Stimmen bei sieben Enthaltungen abgelehnt hat. 
Gerade erst haben die Kommunen im Umkreis nach vielem Weh und Ach 
Frauenbeauftragte benannt, weil das Gesetz es so will. Da schlägt das Imperium 
zurück. In Gestalt von Thomas Schröder, 39 Jahre alt, Kapitän, derzeit an Land.
Eine Selbsthilfegruppe, die seinen Geschlechtsgenosssen im Scheidungsfall beisteht, hat er bereits gegründet und dabei entdeckt, daß Bedarf besteht an einem Politkommisar für die Belange der männlichen Minderheit.

Die "Herren der Schöpfung", nicht wahr, sind überhaupt nicht so herrlich wie sie immer tun, sondern auch nur arme Schweine und "Freiwild für einige radikale Emanzen" wie ein Verfechter des Männerbeauftragten sich ausdrückt. "Ich bin meiner Zeit um zehn Jahre voraus", ist sich Kapitän Schröder sicher.

In Drochtersen scheiterte er weniger aus Unverständnis für die Sache, sondern weil
die Herren des Gemeinderats fürchteten zum Gespött der Medien zu werden. Wer gleich wohl denkt, die Idee eines Männerbeauftragten sei abwegig, kennt sich im Land "achtern Diek" nicht aus. Die Männer wehren sich doch nur. Aus Aspensen, 50 Kilometer von Drochtersen entfernt, kommt nämlich gleichzeitig die Parole "Schafft die Männer ab". Der Kampfruf wird quasi wissenschaftlich untermauert in einem Buch der ehemaligen Journalistin und "Diplomsozialökonomin" Dr. Ingrid Scherzer-Hartz. 

"Das Y-Syndrom" enthält köstliche Beschreibungen der parasitären Krankheit Mann. "Schon als Kleinkind terrorisiert der die Mädchen im Kindergarten, als Schüler 
dominiert er die Klasse und den Schulhof; als junger Mann hängt er am Rockzipfel der Mutter." Und je öller, je döller, wie man in Aspensen sagt: "Der Mann ab 55 mutiert zurück zum Sorgefall schlechthin", der ohne Frau gar nicht lebensfähig wäre. Dr.Scherzer scherzt freilich nicht. "Die ganze Welt ist dabei, an der Amoralität und Asozialität der Männer kaputt zu gehen", bilanziert sie. "Deshalb: Schafft die Männer ab, ehe sie die Welt abschaffen." Mit der Technik des Klonens, so ihre Vision, "bahnt sich ... ein gänzlich neuer Weg der Menschenproduktion an". Sorgen wir also dafür, daß mehr Frauen als Männer geboren werden. 

Das klingt nach "Endlösung der Männerfrage", findet ein Leser des Buchs, und 
wirklich schreibt Frau Doktor: "Wir legen Listen aus für Männer, die sich für 
erhaltenswert halten." Wie gesagt, die Provinz ist Avantgarde, da wird weit vorausgedacht. Fürchtet euch, Männer! 

Uwe Ruprecht in "Neues Deutschland", 7.1.99 >Zitatende


Ein solches Buch ist nicht bloß ein Beweis der Meinungsfreiheit in diesem Land. 

Abgesehen davon, daß die Behauptungen, Schlußfolgerungen und Ziele der Autorin Rückschlüsse auf ihr persönliches kaputtes Welt- und Menschenbild gestatten und Hinweise auf eine schwere weibliche Identitätskrise bieten, wird hier menschenverachtende Hetze verbreitet. 

Indem Männer als überflüssiger Schöpfungsschrott diffamiert und per öffentlichem Aufruf einem auf Ausrottung zielenden Ausleseverfahren anheim gegeben werden, wird gegen das Grundgesetz unseres Landes verstoßen. 
Eine Gruppe von Personen allein wegen ihres Geschlechtes mit Ausrottung zu bedrohen, ist verboten und hierzulande glücklicherweise strafbar. 

Bei der Lektüre dieses Buches weiß man nicht, ob man die Schmähschrift der Frau Doktor Scherzer-Hartz sofort als - nomen est omen - übel stinkenden Witz in die große Ablage entsorgen oder als historisch gebildeter, mündiger Bürger zuerst einen Blick hinter ihre verdächtig braune Kulissen wagen sollte. 

Bei mir läuten jedenfalls innerlich alle Glocken Alarm. Haßtiraden gegen das "minderwertige Leben" der Allein-Schuldigen-am-Elend-der-Welt hatten wir doch schon mal. Vergessen? Damals waren es die Juden. Wenn es nach dem Willen der Frau Doktor ginge, trügen heutzutage wohl bald schon Männer den gelben Stern? 

Karin Jäckel

Autor:ad1) Uwe Ruprecht/ND ad 2)  Dr. Karin Jäckel    Datum 26.02.1998 Mail: siehe: ND/ -------
Verteiler: HAUPT / MÄNNER/ POLITIK / JUSTIZ / WIRTSCHAFT / LITERATUR / KUNST / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK  / CHRONOLISTE
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