ZITAT:
STADER TAGEBLATT                                                               Mittwoch, 11. November 1998

Männerbeauftragter: "Das ist doch eine Lachnummer"
Drochterser möchte offizielles Gemeindeamt: Politiker beraten

 
Drochtersen (pa). Der Drochterser Thomas Schröder - Gründer der Selbsthilfegruppe "Männer & Scheidung" - möchte gerne mit offiziellem Titel für seine Sache kämpfen. Nachdem er vor einem Jahr bei der Stadt Stade mit seiner Bewerbung um einen Posten als Männerbeauftragter abgeblitzt ist, hat er es nun erneut in der Gemeinde Drochtersen versucht. Zumindest einige Politiker nehmen ihn ernst. 

Er möchte gerne Anlaufstelle für leidgeplagte Männer sein und will unentgeltlich als ehrenamtlicher Beauftragter der Gemeinde arbeiten, begündete Schröder seine Bewerbung bei der Gemeinde. Immerhin schaffte es Schröder, im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuß bei den Politikern, die sich lange gegen eine Frauenbeauftragte in der Gemeinde gewehrt haben, spontan und offenbar unkompliziert Gehör zu bekommen. Die Verwaltung - so das Fazit der Politiker - solle doch 

erst einmal prüfen, welche rechtlichen Grundlagen es denn für einen solchen Job geben könnte. Verwaltungschef Emil Frerichs: 
"Die Funktion einer Frauenbeauftragten ist klar gesetzlich geregelt, aber einen solchen Posten gibt es eben nicht für Männer." Dennoch ist Frerichs gerne bereit, rechtliche Möglichkeiten auszuloten. Beim Städte- und Gemeindebund will er anfragen. 
Unterdessen soll das Anliegen Schröders in den Fraktionen beraten werden. Doch nach einer TAGEBLATT-Befragung der Fraktionschefs ist man eher verhalten. CDU-Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch ist skeptisch: "Einen Männerbeauftragten sollten wir nicht einstellen", meint der Ratsvorsitzende, der zudem fürchtet, daß die Gemeinde vor den Karren einer Medienkampagne gespannt werden könnte. Etwas offener ist da schon CDU-Fraktionschef Arthur Meyer: "Es gibt eben auch viele Männer mit Problemen." 
Das gleiche findet auch der
SPD-Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Erhard Wolfkühler: "Wir müssen diesen Mann doch zunächst einmal ernst nehmen." Ob er denn nun wirklich einen kommunalen Stempel erhalte, sei rechtlich zu prüfen. Gleichwohl warnt auch Wolfkühler: "Das darf natürlich kein PR-Gag werden." In der SPD-Fraktion wird das Thema aber sicher strittig diskutiert. SPD-Ratsherr Heino Baumgarten jedenfalls vertritt eine völlig andere Ansicht als sein Fraktionschef: "Das ist doch eine Lachnummer." 
Nicht zum Lachen, aber kaum als Gemeindeangelegenheit ernst zu nehmen, findet WG-Fraktionsvorsitzender Rigo Gooßen die Sache. Er habe Verständnis für die Probleme Schröders als mögliches Scheidungsopfer. Dafür habe er ja seine Selbsthilfegruppe gegründet. Doch die Frage, ob es möglicherweise Ungerechtigkeiten im Scheidungsrecht gebe, sei nun wirklich nicht Thema für Kommunalpolitiker. 


LESERBRIEFE * LESERBRIEFE * LESERBRIEFE * LESERBRIEFE * 
"Schnauze voll" vom Feindbild Mann

· "Der erste Männerbeauftragte?" (WOCHENBLATT 43/98) Thomas Schröder aus Drochtersen bewarb sich als offizieller ehrenamtlicher Männerbeauftragter.
Den Einsatz eines Männerbeauftragten kann ich nur befürworten. Allerdings nicht unter den sich anbahnenden Vorzeichen: Die Frauenbeauftragte Karina Holst aus Stade befürwortet dies nur, wenn "die Männer so weit sind, daß sie Defizite an sich feststellen."
Wofür ist denn der Posten der Frauenbeauftragten eingerichtet worden? Doch wohl nicht weil "Frauen Defizite an sich festgestellt haben!" Dr. Gabriele Kriese hält die Formulierung "Männerbeauftragter” für gefährlich, weil angeblich suggeriert, die "Männer wollen zurückschlagen".
Männerbeauftragter? Nein! Frauenbeauftragte dagegen ja? Gefährlicher ist: Ingrid Scherzer Hartz wirft alle Männer in einen Topf und fordert in ihrem Buch schon etwas, das für mich wie "die Endlösung der Männerfrage" klingt! Hatten wir solch wahnsinnigen, pseudowissenschaftlich begründeten Auswüchse nicht schon einma!?
Ist es da ein Wunder, daß sich die Männer angegriffen fühlen? Daß sie nicht länger widerspruchslos nur als Freiwild für einige radikale Emanzen herhalten wollten. Daß sie als Männer nicht immer pauschal zum potentiellen Triebtäter und Prügler abgestempelt werden wollen? Daß "Mann" langsam die "Schnauze" voll hat.

Es wird nichts mit der Gleichberechtigung und Emanzipation, wenn sich nicht auch die Männer ändern. Das stimmt. Aber auch einige Frauen sollten von ihrem sorglältig konstruierten und und gepflegten "Feindbild Mann" abrücken.
Carsten Corleis
Moisburg
 

Bittere Notwendigkeit

Zu dem Bericht "Männerbeauftragter: 'Das ist doch eine Lachnummer'" [TAGEBLATT vom 11. November) schreibt Dr. U.Kaul, Mozartstraße, Stade:

Als Scheidungsopfer und Gründungsmitglied der Selbsthilfegruppe Thomas Schröders kenne ich dessen fachliche und menschlich-moralische Kompetenz schon länger. Ein Männerbeauftragter vom Schlage Schröders wäre kein Witz, sondern leider bittere Notwendigkeit in einer aberwitzigen Gesellschaft. Vermutlich würde Thomas daher seinen Weg auch ohne Drochtersen als Startpunkt machen. Das Interesse der Medien an ihm und seiner Idee ist längst über die Region hinausgewachsen.
Es waren - lächerlich genug - Männer, die aus billigem Opportunismus einer feministischen Bewegung zum Durchbruch verhalfen, die heute jenseits sinnvoller Emanzipation vernichtungssüchtig wütet. von keinem Verantwortlichen gebremst (wie M. Matussek dies in seinem Buch "Die vaterlose Gesellschaft" brillant belegt). Wenn in dieser Situation der Ratsherr Heino Baumgarten das Engagement Schröders als Lachnummer bezeichnet, dann bleibt lediglich zu ergänzen: Weiter so - nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.
 



Gesendet auf NDR-Niederelbe NDR 1 in den Nachrichten um 0800 Uhr

Frauenbeauftragte gibt es inzwischen in jeder größeren Gemeinde: In Drochtersen im Kreis Stade hat sich ein Bürger als ehrenamtlicher Männerbeauftragter beworben. Am Abend hat der Rat entschieden Drochtersen bekommt keinen Männerbeauftragten. 

Jörn Pietschke berichtet.... 

Drochtersen an der Niederelbe wird nicht zum Vorreiter für Männerbeauftragte - der Rat hat die Bewerbung eines 39jährigen Kapitäns abgelehnt, der im Ehrenamt für die Männerrechte in dem Dorf bei Stade streiten wollte. Dabei steht der Bewerber bereits seit einem Jahr in einer von ihm gegründeten Selbsthilfegruppe für Männer, die bei Scheidungsfragen Hilfe suchen, seinen Mann. Der Vater von zwei Kindern lebt derzeit selbst in Scheidung und hatte sich vorher bereits vergeblich um den Posten als Männerbeauftragter für den gesamten Landkreis Stade beworben. Nun hat ihm auch seine Heimatgemeinde - mit 13 Gegenstimmen, bei neun Jastimmen und sieben Enthaltungen allerdings denkbar knapp - einen Korb gegeben. Mit diesem Votum gegen einen Männerbeauftragten folgte der Rat in Drochtersen übrigens einer Empfehlung der Frauenbeauftragten.

Redakteur: Pietschke

Gesendet auf NDR-Niederelbe NDR 1 in dem Nachrichten um 1200 Uhr

Männerbeauftragter

Braucht Niedersachsen einen Männerbeauftragten? Der Bericht über die abgelehnte Bewerbung eines 39jährigen Kapitäns aus Drochtersen bei Stade hat die Diskussion über die Gleichberechtigung entfacht. 

Jörn Pietschke zu den Reaktionen des Bewerbers aus Drochtersen auf die Absage des Rates. 

Thomas Schröder gibt die Hoffnung nicht auf: Das Abstimmungsergebnis über seine Bewerbung als ehrenamtlicher Männerbeauftragter in Drochtersen ist denkbar knapp ausgefallen, das negative Votum erklärt er sich auch mit der möglichen Angst des Gemeinderates auf dem Feld der Gleichberechtigung Neuland zu betreten. Denn noch gibt es - nach Kenntnis der Landesregierung - keinen einzigen offiziellen Männerbeauftragten in Niedersachsen. Während Frauenbeauftragte auf einer gesetzlichen Grundlage arbeiten, wäre die Einrichtung der Stelle eines Männerbeauftragten eine freiwillige Aufgabe, bei der die Gemeinden nach Angaben des Innenministerium jedoch durchaus freie Hand haben. Frei nach dem Motto selbst ist der Mann, haben die Männer und Frauen in den Räten hier durchaus Handlungsspielraum. Bis es soweit ist hilft Thomas Schröder interessierten Männern gerne weiter, in allen Fragen rund um Scheidung und Sorgerechtsfragen auch mit der von ihm gegründeten Selbsthilfegruppe, die sich jeden Mittwoch ab 19 Uhr 30 im Stader Johanniskloster trifft.

Redakteur: Pietschke

zurück zu: Männer & Scheidung / Presseschau

Letzte Änderung: 
© M & S; Überarbeitet am:  ; Adresse der Webseite: http://www.gabnet.commw//m&s/m&s-std/stdertb.htm