THOMAS SCHRÖDER
FOTO: (C)Gerhard Hanenkamp
Weitere Berichte: 
Stader Tageblatt:"Männerbeauftragter... eine Lachnummer"
Titelseite "Neue Stader/Wochenblatt" 21.10.1998
Der erste Männerbeauftragte?
Bewerber Thomas Schröder: Nicht nur Frauen brauchen Hilfe

Bald Deutschlands erster Männerbeauftragter? Thomas Schröder (39) hat Kommunalpolitik und Verwaltung mehrheitlich hinter sich: "Es wird endlich Zeit, daß auch frustrierte Männer einen offiziellen Ansprechpartner haben" Foto: lo. 

(lo). Bahnt sich in Kehdingen eine Sensation an? Die Chancen stehen gut, daß Thomas Schröder Deutschlands erster Männerbeauftragter wird. 
Kein Witz; Der 39jährige Ex-Kapitän hat sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Gemeinde Drochtersen beworben. Und nicht etwa Spott geerntet. "Rat und Verwaltung stehen der Sache mehrheitlich positiv gegenüber, verrät der Drochterser Landtagsabgeordnete Eckhard Wolfkühler (SPD) dem WOCHENBLATT. "Schröder hat sein Anliegen überzeugend dargestellt." Bevor die ersten Briefbögen gedruckt werden können, muß aber noch die rechtliche Seite geklärt werden. Gibt's da keine Probleme, gerät vielleicht bundesweit eine Lawine ins Rollen. Seite 7

 

 
21. Oktober 1998 Kehdinger Bote Seite 7
"Männerbeauftragter:
Geht das überhaupt?"
Bewerbung stellt Gemeinde vor neue Probleme

(lo). Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als Männerbeauftragter bei der Gemeinde Drochtersen: Das Schreiben von Thomas Schröder (39) ist an den Gemeindedirektor Emil Frerichs adressiert. Verwaltungschef und Co. hatten das Ganze zunächst für einen Scherz: "Da will uns jemand veräppeln". Doch Schröder überzeugt sie vom Gegenteil und stellt die Gemeinde vor ein echtes Problem "Für Männerbeauftragte gibt es weder ein klares Arbeitsfeld noch gesetzliche Vorlagen." 

Mit seinem Antrag hat Thomas Schröder ziemlich viel Staub aufgewirbelt. Die Reaktionen reichen von blankem Entsetzen ("Das hat uns gerade noch gefehlt") bis hin zu positiver Resonanz ("Warum eigentlich nicht?"). 

Jedenfalls bekommt der 39jährige eine Einladung vom Gemeindedirektor: "Der Verwaltungsausschuß möchte gerne vor seiner nächsten Sitzung mit Ihnen über ihre mögliche Tätigkeit als Männerbeauftragter ein Gespräch führen. Das ist inzwischen passiert. "Doch bevor wir überhaupt eine Entscheidung treffen können, muß die Rechtslage geklärt werden", sagt der Verwaltungschef. 

Egal, wie's kommt: Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch (CDU) weiß schon jetzt: Die Medien werden sich so auf uns stürzen. Und Kehdingen wird bundesweit berühmt: "Ich befürchte, daß uns einige Sender auf die Schippe nehmen werden." 

Daß Thomas Schröder kurzfristig als ehrenamtlicher Männerbeauftragter arbeiten wird, bezweifelt Bösch: Wir haben uns schon so lange gegen eine Frauenbeauftragte, die erst kürzlich eingestellt wurde, gewehrt. Da wäre solch eine Entscheidung doch paradox." 

Allerdings hält der Bürgermeister das Engagement des 39jährigen "für sehr lobenswert." Und nicht nur er. Zur Zeit scheint die Mehrheit in Rat und Verwaltung für Schröder zu sein. "Ich hab' damit gar kein Problem", gibt Landtagsabgeordneter Erhardt Wollkühler (SPD) freimütig zu, "wir nehmen die Geschichte ernst." 

Jetzt soll die Verwaltung klären, ob es rechtliche oder versicherungstechnische Probleme gibt. Vor allem aber muß geklärt werden: Weiche Aufgaben soll ein Männerbeauftragter erfüllen? Muß er eine besondere Qualifikation haben? 

Daran soll's nicht scheitern: "Ich möchte mich auf jeden Fall weiterbilden", sagt Thomas Schröder, der bereits inoffiziell als "halber Männerbeauftragter" tätig ist. Die von ihm gegründete Selbsthilfegruppe "Männer und Scheidung/Trennung" (Kontakt über die Selbsthilfe - Koordinierungsstelle "KIBIS" in Stade, Tel. 04141-3856 ist als Gesprächskreis für Leidensgenossen gedacht, die ihren Frust loswerden möchten. 

Doch statt sich dem Seelen- Striptease hinzugeben, werden immer mehr Betroffene in erster Linie Rat und Hilfe suchen: "Das belastet die Gruppe, wäre Aufgabe eines Männerbeauftragten." 

Bereits vor rund einem Jahr machte Schröder Schlagzeilen mit dieser Idee. Damals hatte er sich bei der Stadt Stade als hauptamtlicher Helfer beworben, erhielt eine klare Abfuhr. Das wer eher provokativ", sagt er rückblickend, "diesmal meine ich es wirklich ernst." 

Sogar die Frauenbeauftragte Karina Holst aus Stade könnte sich mit dem Berufsbild Männerbeauftragter abfinden: Wenn Männer so weit sind, daß sie Defizite an sich feststellen, würde ich das sehr begrüßen." 

Allerdings käme es auf die Inhalte an. Mögliche Schwerpunktthemen wären für sie "Wie vereinbare ich Familie, Beruf und Hobbys, werde den Kindern gerecht?" oder "Wie läßt sich die Arbeitswelt humaner gestalten?". Auch Männer und Gewalt" sei ein wichtiges Kapitel. 

Alles mit dem Ziel, "ein Miteinander der Geschlechter" zu fördern. Eine Zusammenarbeit mit einem männlichen Kollegen kann sich Karina Holst jedoch nicht vorstellen.

 
"Wo bleiben die Männer?"
Warum Thomas Schröder dringend Handlungsbedarf sieht

(lo). Thomas Schröder ist 39 Jahre alt, Kapitän von Beruf, seit einem Jahr geschieden und wohnt in Drochtersen. Den Posten als Männerbeauftragter bietet er zum Nulltarif an:." "Der Gemeinde entstehen keine Kosten." 

Eines vorweg: Sein ehrenamtliches Angebot sieht er nicht als Kampfansage gegen die Frauen. Im Gegenteil: Die Emanzipation der Frau befürworte ich." Doch bedingt durch die Familienpolitik der letzten Jahre sind etliche Benachteiligungen des Mannes deutlich geworden." 

"Mann-Täter-Image"

So würden viele Straftaten und Kurzschlußhandlungen von psychisch oder finanziell ruinierten Männern auf "Hilflosigkeit und Alleingelassen sein mit ihren Problemen" beruhen: Diese Orientierungslosigkeit hat inzwischen zu einem "Mann-Täter-Image" geführt." 

Für Ehepaare gebe es zwar Hilfe in Beratungsstellen, doch nach der Scheidung gilt dies nur noch für die Frau." Männer hätten nirgends offizielle Ansprechpartner. 

Und die abendlichen Stammtischgespräche zum Frustabbau, wie früher üblich, wurden der Vergangenheit angehören: Die wenigsten Männer gehen heute in die Kneipe." . 

Auch wenn er andere Prioritäten setzen müßte, würde er sich als Männerbeauftragter zunächst an den Aufgaben der Frauenbeauftragten orientieren. Das heißt: "Hilfe in allen Lebenslagen bieten, Kontaktadressen zu verschiedenen Selbsthilfegruppen herstellen." 

Denn "durch frustrierte und hoffnungslose Männer geht enorm viel Arbeitskraft verloren." Und das koste Unsummen. Irgendwie seien die Interessen der Männer total unter den Tisch gefallen: "Es gibt Ministerien für Familie, Frauen, Kinder und Senioren. Wo bleiben die Männer?" 

Thomas Schröder ist unter Tel. 04143-910036 telefonisch zu erreichen. Seinen Job als Kapitän hat er nach seiner Scheidung "wegen der Kinder" an den Nagel gehängt, arbeitet jetzt im Schichtdienst an Land. Wie er seinen Dienst mit der ehrenamtlichen Aufgabe vereinbaren kann, muß er sich noch durch den Kopf gehen lassen. Den Willen dazu hat er: "Wenn's in Drochtersen nicht klappt, versuch ich's anderswo." 

 

 
"Die Formulierung ist gefährlich"
Das Wort "Männerbeauftragter" suggeriert Kampf

 (lo). Der bundesweit erste "Männerbeauftragte" sitzt angeblich im Schweriner Sozialministerium: "Das ist eine Zeitungs-Ente", erklärt Ministeriadirigentin Dr. Gabriele Kriese, "unser Herr Lodzik ist Referent für Männer und Familie sowie gleichgeschlechtliche Lebensweisen." Also: Keiner, bei dem sich Männer ausheulen können. Das wäre ja auch albern.

Eingerichtet wurde das Referat 1993 von der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten, um Probleme wie Gewalt in der Familie effektiver bekämpfen zu können: Es kann nicht sein, daß nur Frauen darüber reden, Wir müssen die Männer mit ins Boot holen, wollen auch den Täter als Menschen sehen." 

Der sogenannte "Männerbeauftragte", ausgebildeter Verwaltungsbeamter, drei Kinder, geschieden, hat bereits drei Beratungsstellen in Schwerin aufgebaut, die vierte ist in Planung. Das vom Staat finanzierte Konzept (60 Prozent zahlt das Ministerium, 40 Prozent die Gemeinden) basiert nicht auf Zwang: Die Männer kommen freiwillig, wollen sich helfen lassen." 

Davon würden wiederum die Ehefrauen profitieren: Und wenn beispielsweise die Gewaltspirale runtergedreht wird, entstehen auch weniger Kosten für Polizei und Krankenwagen - Einsätze", rechnet das Schweriner Sozialministerium vor. 

Das Referat "Männer und Familie" ist bislang einmalig in  Deutschland, stößt aufgrund der Erfolge auf immer mehr Interesse. Nur die Bezeichnung "Männerbeauftragter" stimmt halt nicht: "Ich halte diese Formutiemng für gefährlich", sagt Dr. Gabriele Kriese, das Wort suggeriert, daß die Männer jetzt zurückschlagen wollen. 

Städte und Gemeinden, die sich für das Knowhow der Abteilung interessieren, können sich unter Tel. 0 385- 5889051 mit Dr. Gabriele Kriese oder dem Referenten in Verbindung setzen.

 
Der unberufene Kommentar vom  zu obigem Artikel und Dr. Gabriele Kriese den wir uns nicht verkneifen können: 
"die Bezeichnung "Männerbeauftragter" ist eine gefährliche Formulierung, da das Wort suggeriert, daß die Männer jetzt zurückschlagen wollen."
wir fragen:
Was suggeriert denn dann "Frauenbeauftragte"?..., demzufolge doch wohl die "Erstschlagenden"!!!
Laut weiblicher Logik ist demzufolge nicht die Aktion sondern die Reaktion zu verurteilen und zwar schon  in Form der Absichtsäußerung. 
Ein besseres Outing der Funktion "Frauenbeauftragte" oder noch pervertierter "Gleichstellungsbeauftragte" können wir uns kaum vorstellen. 
Offensichtlich hat sich in der Vorstellungswelt der Frauen das Bild des Mannes als Masochisten so verfestigt, dass jedes Anzeichen einer  Abwehrreaktion schon als verwerflich anzusehen ist. 
Dafür unser aufgeklärter Dank an Frau Dr. Gabriele Kriese

Gerhard Hanenkamp

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