Institut für Geschlechter- 
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 09. März 2001


Bremer Soziologe fordert: Umwandlung des Familienministeriums in ein Bundesministerium für Geschlechter- und Generationenfragen

Presseerklärung des Sprechers des Instituts für Geschlechter- und Generationsforschung (IGG) der Universität Bremen, Professor Dr. Gerhard Amendt 

Bei einer Diskussion über die vielfältigen Probleme von „Jungen heute“ im Forum Kultur des Deutschlandfunks am 9. März 2001 forderte der Bremer Soziologe Professor Gerhard Amendt, Leiter des Instituts für Geschlechter- und Generationsforschung an der Universität Bremen, das heutige Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in ein Bundesministerium für Geschlechter- und Generationenfragen umzuwandeln. Zukunftsorientierte Geschlechterpolitik müsse sich auch in der Namensgebung des zuständigen Bundesministeriums dokumentieren. Geschlechterfragen sollten nicht mehr als Freund-Feind-Verhältnisse beschrieben werden, sondern als Versuche, Versöhnung und gegenseitige Achtung zu praktizieren. In dem neuen Ministerium für Geschlechter- und Generationenfragen sollten alle Konfliktlagen zusammengefasst werden, die Männer wie Frauen daran hindern, im privaten und öffentlichen Leben sich in gegenseitiger Anerkennung zu begegnen.

Amendt hält es für unzeitgemäß und bedenklich, dass Männer wie Jungen in ihren Fähigkeiten überschätzt werden. Dadurch werden sie unfähig, ihre eigenen Probleme zu erkennen und mitzuteilen, woran sie eigentlich leiden. Man könne an Männer nicht nur Forderungen stellen, ohne sich ernsthaft zu fragen, warum sie daran scheitern. Die gegenwärtige Politik der Bundes­familien­ministerin werde, so Gerhard Amendt in der Diskussion des Deutschlandradios, den Problemen von Männern und Jungen keineswegs gerecht.

Der Bremer Soziologe Amendt leitet seine Forderung nach einer Neuorientierung in der Geschlechter­politik aus den Erfahrungen seiner beruflichen Tätigkeiten und den Ergebnissen seiner langjährigen wissenschaftlichen Arbeiten ab. Als Leiter von Pro Familia Bremen in den Jahren 1976 bis 1984 kritisierte er das Verhalten von Gynäkologen gegenüber ihren Patientinnen und schuf für Frauen erstmals die Möglichkeit, Abtreibungen auch außerhalb von Kranken­häusern vornehmen zu können. In diesem Zusammenhang wurde er mit der Frage nach dem Schicksal von Kindern konfrontiert, die gegen den Willen ihrer Eltern das Licht der Welt erblicken - und meist einen schweren Lebensweg vor sich haben.

In anderen Studien erforschte Amendt Aspekte des Mutter-Sohn-Verhältnisses. Danach stehen viele Jungen zwar in einem äußerst liebevollen Verhältnis zu ihrer Mutter. Aber gleichzeitig werden viele von ihren Müttern überfordert, weil sie für reale oder eingebildete Mängel ihrer Väter gerade stehen sollen. Darüber hinaus zeige sich bei geschiedenen Vätern, dass viele von ihnen mit Isolation, Verzweiflung, Selbstmord oder dem ohnmächtigen Rückzug von ihren Kindern reagieren. Dass dieser Fragestellung in der Forschung wenig Aufmerksamkeit gewidmet werde, sei, so Amendt, ein Symptom dafür, dass die Belastungs­fähigkeit und Selbstreflexion von Männern weit überschätzt werde. Professor Gerhard Amendt untersucht derzeit, wie Männer die Scheidung durchleben und warum sie sich von ihren Kindern entfremden. Wer an der Studie als Vater, der von seinen Kindern getrennt lebt, teilnehmen möchte, kann unter www.uni-bremen.de/vaeterstudie mehr erfahren.


Hinweis: obiger Beitrag Prof.: Amendt im Deutschlandfunk

Professor Gerhard Amendt ist am 9. März 2001 ab 11:30 erreichbar unter Tel. 030-85038305
Deutschlandfunk Forum Kultur
10.10 - 11.30 Uhr
Empfangsfrequenz im Raum Hannover 103,5 MHz, im Raum Berlin 97,7 MHz



und danach über das Sekretariat des Instituts für Geschlechter- und Generationsforschung (IGG) der Universität Bremen, Tel. 0421-218-2142.

Sie erreichen das IGG unter:

igg@uni-bremen.de und amendt@uni-bremen.de

Informationen, Textauszüge aus Vatersehnsucht, Vorträge und mehr finden Sie unter: www1.uni-bremen.de/~sozarbwi? Forschung ? Institut für Geschlechter- und Generationsforschung

 

Autor: Prof. Dr. Gerhard Amendt 
Erstellungsdatum 09.03.2001 G*A*B - Datum: 09.03.2001  Mail: amendt@uni-bremen.de
Verteiler: HAUPT / MÄNNER / BOYS / POLITIK / JUSTIZ / WIRTSCHAFT / LITERATUR / KUNST / BÜCHER / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK / CHRONOLISTE
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