Ein Beitrag aus der inzwischen leider eingestellten  " EX"  7/95  Von Egid Braun*
"Gedemütigt durch Sklaverei, korrupt durch Macht..."
Die Eltern-Klauer der Nation
Warum die "Jugend-Ämter" so kläglich versagen
Lord Byrons Charakterisierung des Menschen aus dem Jahre 1808 scheint von zeitloser Gültigkeit. Sie beschreibt prägnant die Situation deutscher Scheidungs-Waisen und ihrer entrechteten Mütter oder Väter, sie analysiert treffend die Wurzel des Übels: die "Korruption durch Macht".
Fast die Hälfte der Kinder aus geschiedenen Ehen hat schon ein Jahr nach der Trennung keinen Kontakt mehr zum anderen Eltemteil. Noch elender sind die nicht-ehelichen Kinder und ihre Väter dran: Sie haben von vomeherein kein Umgangs-Recht. also keine reelle Chance auf menschenwürdige Kindheit oder Elternschaft. Ein großer Teil der deutschen Kinder wächst ohne Vater auf, betrogen um ein stabiles Fundament für eine intakte Psyche, ja oft sogar um das "Bild des Vaters", das jedes Kind genauso notwendig braucht wie das "Bild der Mutter".

Welche Rolle spielen die Jugendämter bei diesem Terror gegen Kinder?

Diese Kinder sind sehr oft "gedemütigt durch Sklaverei", sind die "Leibeigenen" ihrer Sorgeberechtigten, gehalten wie Schmusetiere, instrumentalisiert zur "Selbstverwirklichung". Rache. Nötigung und nicht selten Erpressung.

Laut Gesetz haben sie die Aufgabe, die Bindungen zwischen dem Kind und seiner Ursprungs-Familie auch nach einer Trennung der Eltern zu schützen. Auch das Grundgesetz verpflichtet alle staatlichen Institutionen: "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung." Entweder ist das Grundgesetz noch nicht bis zu den Jugendämtern und Familiengerichten vorgedrungen - oder die Staatsdiener haben Probleme, die deutsche Sprache zu verstehen. Denn unzählige betroffene Mütter und Väter schwören, daß weder das Jugendamt noch der Familienrichter ihnen geholfen haben, die familiären Bindungen mit ihren Kindern aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Im Gegenteil: In den meisten Fällen haben beide tatkräftig und nicht selten ziemlich skrupellos daran mitgewirkt. Kindern den Eltemteil ohne Sorgerecht durch jahrelange Total-Isolation zu entfremden. Lauter Verfassungs-Feinde im Sold des Steuerzahlers?

Es gibt eine plausiblere Erklärung: Die Jugendamts-Mitarbeiter sind schlicht überforden. Sie sind gehalten, den Familiengerichten Empfehlungen zu liefern, welche Regelung dem sogenannten "Kindes-Wohl" am besten entspricht. Schon die Begriffe sind Etiketten-Schwindel: Das "Kindeswohl" ist eine inhaltsleere, schwachsinnige Begriffsschöpfung von Juristen, die Tür und Tor öffnet für alles, was dem Kind schadet.

Die "Berichte" der Jugendämter mit ihren "Empfehlungen" sind. von ihrer Funktion "Gutachten", die in aller Regel die Grundlage bilden für die gleichlautende Entscheidung des Familienrichters. Verfassungsrechtlich äußerst dubios, denn auch die sachlich unhaltbare oder idiotische Sorgerechts-Empfehlung eines Jugendamtes ist vor keinem Gericht anfechtbar. Statistisch betrachtet stellen Jugendamtsmitarbeiter in den meisten Fällen die Weichen, welcher Elternteil das Sorgerecht erhält. Somit sind die Jugendamtsmitarbeiter. ähnlich wie die berüchtigten psychologischen Gutachter der Familiengerichte, de facto "Richter ohne Robe".

Kinder werden einfach zugeteilt

Die Sozialpädagogen/innen müssen dem Gericht vorschlagen, wie das Sorgerecht geregelt wird. Da es meist Frauen sind, die diesen Job ausüben, ergibt sich bereits eine natürliche Präferenz für die Mütter - die "Solidarität der Frauen" im Kampf gegen die Machos. Doch davon abgesehen: Die Sozialpädagogen sind mit dieser Aufgabe zwangsläufig überfordert, wie wir alle es wären. Sie wissen um die Tragweite ihrer "Empfehlung", sie wissen, daß sie es sind, die die Kinder "zuteilen". Dieses Wissen um ihre Macht hat viele Jugendamtsmitarbeiter moralisch und charakterlich korrumpiert, ähnlich wie die Familienrichter. Die Berichte der verzweifelten Väter und Mütter sprechen für sich:

"Das Ergebnis der ersten Anhörung, bei der sich meine Kinder spontan für mich ausgesprochen hatten, wurde auf einmal vom Gericht ignoriert, sodaß ich selber schon an meinem Verstand zweifelle. Auch die Tatsache, daß die Kinder seit ihrer Geburt Tag für Tag mit mir, ihrer Mutter, zusammen waren. hatte kein Gewicht mehr. Die Dame vom Jugendamt, darauf angesprochen, daß mein Mann sich nie um die Kinder gekümmert hatte während unserer Ehe. antwortete: "Man kann sich doch ändern, glauben Sie nicht?" Mein Mann bekam das alleinige Sorgerecht. Trotz aller Streitereien während der Scheidung hält er die Umgangsregelung immerhin ein." (Christine S.)

"Die Dame vom Jugendamt interessierte sich mehr für die Größe des Kinderzimmers und meine Arbeitszeiten, als für die seelische Belastung von Daniela. Meine Tochter war jahrelangem Psychoterror durch meine Exfrau und ihren neuen Lebensgefährten ausgesetzt. Das alleinige Sorgerecht war ihr zugesprochen worden. Sie zog daraufhin einige Male um. Ich stellte bei Gericht den Antrag, das Umgangsrecht festzusetzen. Richter B. aber verbot mir im März '91 den Umgang mit meinem Kind, ohne jegliche Anhörung. Jugendamt, Richter und der sogenannte Gutachter waren sich alle einig, daß es für Daniela besser sei, den Vater nicht mehr zu sehen. Die Mutter sorgte dann dafür, daß ich Hausverbot bekam an der Schule meiner Tochter, damit ich sie auch dort nicht mehr besuchen konnte. Insgesamt war meine Tochter zweieinhalb Jahre nicht mehr bei mir. Sie ist dadurch psychisch krank geworden." (Heinz K.)

Zwei von Hunderttausenden von Beschwerden über skandalöse Praktiken von Jugendämtern. Es gibt noch weit Schlimmeres:
Jugendamtsmitabeiter, die ohne Zustimmung des alleinigen Wohnungsinhabers in seiner Abwesenheit seine Wohnung inspizieren. nachdem die Ehefrau eine Woche dort zugange war. Das Ergebnis dieser rechtswidrigen Schnüffel-Praxis dient dann als Beweis. daß der Vater wegen "völlig verwahrloster Wohnung" nicht für das Sorgerecht geeignet sei.

Erschreckend ist. daß deutsche Richter solche Praktiken kalt lächelnd tolerieren. Auch Sorgerechts-Empfehlungen ohne Anhörung der anderen Partei kommen vor:

Das Jugendamt Nürnberg schrieb z.B. 1991 an das Familiengericht: "Der Vater ist hier nicht bekannt, aber für das Sorgerecht nicht geeignet." Als Begründung führte das Jugendamt das Ergebnis jener rechtswidrigen Wohnungs-Besichtigung in Abwesenheit des Vaters an.

Trotz aller Beschwerden des Vaters hat kein Richter je diese rechtswidrigen Praktiken beanstandet, sie wurden anstandslos als Grundlage der Sorgerechts-Regelung zugunsten der Mutter herangezogen. Der Jugendamtsleiter behauptet dennoch dreist, das Amt hätte mit der Sorgerechtsregelung des Familienrichters nichts zu tun, obwohl der die Sorgerechts-Entscheidung just mit der Empfehlung dieses Jugendamtes begründet hatte -Konfusion, Korruption oder Komplott?' Diese Frage haben sich wohl Hunderttausende von Leidtragenden des geltenden Sorgerechts gestellt.

"Vater nicht bekannt, aber ungeeignet"

Das Verhaltensmuster ist längst evident:

Das Gesetz provoziert das Veto eines Elternteils (meist der Mutter) gegen das gemeinsame Sorgerecht. Daraufhin streiten die Eltern vor Gericht zum Profit der Anwälte und psychologischen Gutachter - macht zweieinhalb Milliarden Mark Umsatz im Jahr. Das Jugendamt muß einen "Bericht" abgeben und empfiehlt (weil die Eltern bereits aufgehetzt und haßerfüllt, also nicht mehr konsensfähig sind) einen Eltemteil für das alleinige Sorgerecht. meistens die Mutter. Der Familienrichter überträgt dann einem Eltemieil das Sorgerecht. meist dem vom Jugendamt empfohlenen. Damit ist die kindliche Katastrophe in vielen Fällen programmiert:

"Jetzt zeig' ich's ihm (ihr)' Jetzt mach' ich ihn (sie) fertig'" Authentische Äußerungen von Müttern und Vätern, die das alleinige Sorgerecht erstritten haben. Das "Zeigen" sieht dann so aus:

Ein großer Teil der Allein-Sorgeberechtigten verweigert über Monate oder Jahre den Umgang des Kindes mit dem anderen Eltemteil. um sich an dem Expartner zu rächen, ihn unter Druck zu setzen oder zu erpressen ("Gib mir das Haus, sonst siehst Du die Kinder nicht wieder'").

Die Kinder, die ja in der Regel den entmündigten Eltemieil genauso lieb haben wie den machthabenden, werden durch die Isolation seelisch grausam gequält, nicht selten psychisch krank. Statt nun die Kindesmißhandtung zu unterbinden, unterstützen die Jugendamtsmitarbeiter und Familienrichter sie meist noch. Sie haben diesem Elternteil das alleinige Sorgerecht, die totale Gewalt über das Kind. zugeteilt; nun wollen sie keinen Fehler eingestehen und halten ihm die Stange, oft bis zum bitteren Ende: psychische Krankheit, womöglich Selbstmord, spätere Drogenabhängigkeit oder Kriminalität.

Daß die von ihren Kindern isolierten Väter oder Mütter vor die Hunde gehen, kümmert viele Jugendamtsmitarbeiter (und Richter) einen Dreck. Sie animieren dann gelegentlich noch die Sorgeberechtigte, den von seinem Kind total isolierten Eltemteil wegen Verletzung der Unterhaltspflicht anzuzeigen. Daß der womöglich als geistig arbeitender oder sensibler Mensch durch die brutale Isolationsfolter gar nicht mehr voll arbeitsfähig ist. interessiert niemanden.

Das Resultat des geltenden Sorgerechts ist inzwischen bekannt: Hundertausende verzweifelter oder depressiver Kinder, Mütter. Väter, die ihren Liebsten sehnsüchtig nachtrauern. Steigende Zahlen von Drogenabhängigen. Alkoholikern, ruinierten Existenzen, Sozialhilfeabhängigen. Eine kranke Gesellschaft, in der Bürgerkrieg herrscht zwischen den Geschlechtem, zwischen Vätern und Müttern, zwischen Kindern und ihren sorgeberechtigten Alleinerziehenden.

Was ist zu tun?

Der Gesetzgeber sollte in naher Zukunft das unmenschlichste Gesetz der Nachkriegszeit. das alleinige Sorgerecht als Regelfall, das de facto ein Ermächtigungs-Gesetz zum Mißbrauch der Kinder ist, abschaffen und durch eine Regelung, die die elementarsten Menschenrechte von Kindein und Eltern garantiert, ersetzen: Den regelmäßigen persönlichen Kontakt zwischen allen Kindern und ihren Müttern und Vätern - das steht schon in der UNO-Kinderkonvention. Aber die wird ja in Deutschland bis heute nicht respektiert.

Da die Erfahrung gezeigt hat. daß Jugendämter und Familienrichter in zahllosen Fällen total versagen, dieses Menschenrecht im "Rechtsstaat" Deutschland durchzusetzen. muß der Gesetzgeber daraus Konsequenzen ziehen. Bei der Regelung des Sorgerechts ist beiden Eltern die Erziehungsgewalt, die ja zugleich eine Sorge-Pflicht ist. zu übertragen. außer in Fällen nachgewiesenen Mißbrauchs oder schwerer Schädigung des Kindes. Es wäre fatal, den Forderungen von Feministinnen und vielen Juristen und Gutachtern (die um ihren Profil bangen) nachzugeben, jedem Eiterteil wieder ein Velo-Recht in irgendeiner Form einzuräumen gegen die gemeinsame Eltemverantwortung. Damit wären die Kinder und die nichtsorgeberechtigten El-temteile. also in aller Regel wieder die Väter.
weiterhin der Willkür der Sorgeberechtigten, der Jugendamtsmitarbeiter. Familienrichter und der Gutachter ausgeliefert, mit dem bekannten Effekt.

Es gibt ein Beispiel das Mut macht:

Oberste Aufgabe der Jugendämter muß es sein. die "Bedürfnisse und Interessen der Kinder", also vor allem den regelmäßigen Kontakt mit beiden Eltern, zu befriedigen und zu gewährleisten. Den nebulösen Begriff "Kindeswohl" werfen wir am besten auf den Müllhaufen der Geschichte.

Wenn der Gesetzgeber ein familienfreundliches. realistisches und kinderfreundliches Sorge-Recht verabschiedet, das der

egoistischen Natur des Menschen Rechnung trägt, indem es ein Machtgleichgewicht zwischen den Eltern schafft, wird der Zorn der Mütter, Väter und Kinder auf die "unfähigen" Jugendamtsmitarheiter abnehmen.

Das Jugendamt München ermuntert Eltern, die gemeinsame Eltemverantwortung auch nach der Trennung beizubehallen. mit dem Erfolg, daß fast jedes vierte Paar inzwischen das gemeinsame Sorgerecht praktiziert. Daß nicht noch mehr Ehepaare bei der Scheidung, wenn sie schon sein muß, sich für die gemeinsame elterliche Sorge entscheiden. liegt daran, daß achtzehn Jahre staatlich initiierte Eltern-Konfrontation und ein Zeitgeist. der auf Geschlechter-Krieg abonniert ist, den Frieden in den Familien zerstört haben. Aber Frieden wollen manche gar nicht, denn am Krieg läßt sich mehr verdienen.

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"Jugendamt intern"

Was noch so alles schief läuft

Zwei ehemalige Mitarbeiter von Jugendämtern brachen ihr Schweigen und berichteten "ex" über interne Gepflogenheiten. Was die beiden (Namen der Redaktion bekannt) schilderten, macht sprachlos.
 

- "Nur ein toter Vater ist ein guter Vater". bestätigen sich manche Jugendamtsmitarheiter gegenseitig. Die Nachricht über den Tod eines Vaters wurde sogar schon des öfteren "begossen", weil damit "endlich die Akte geschlossen werden kann. Mit dem gab's ja immer nur Theater.
- Akten werden rücksichtslos verfälscht, umdatiert. verschwinden, Gespräche (die nie stattfanden) nachträglich "aktenkundig gemacht".
- Väter werden offen erpreßt: Großzügiges Umgangsrecht, wenn sie auf das gemeinsame Sorgerecht verzichten.
- Die Pflicht zur Vermittlung wird mit der Ausrede umgangen, die Mutter sei gegen ein gemeinsames Sorgerecht.
- Mit der Floskel "das Kind muß zur Ruhe kommen" wird die Akte zur Seite gelegt und der Nicht-Sorgeberechtigte ausgegrenzt.
- "Die Sache ist strittig" heißt auf gut deutsch: Ich habe keine Lust. mit dem anderen Eltemteil über gemeinsames Sorgerecht zu reden.
- Beschwerden über Mitarbeiter werden von den zuständigen Sachbearbeitern selbst beantwortet.
- Die Pflicht beide Eltemteile zu hören, wird permanent umgangen.
- Wer gegenüber dem Jugendamt die Wahrheit sagt hat keine Chance.
- Menschlichkeit (besonders gegenüber Kindein) gibt es nicht.
- Mitarbeiter werden nicht fortgebildet
- Die meisten Mitarbeiter haben selbst zu Hause die größten Probleme mit eigenen Kindern (ein großer Prozentsatz der Kinder in Heimen kommt von alleinerziehenden Sozialarbeitern!)
- Viele Gruppenleiter in Jugendämtern sind Alkoholiker, drogen- oder medikamentenabhängig.
- Praktikanteninnen werden ohne Praxis eingestellt.


Einer unserer Informanten verließ die Behörde. weil "ich einfach nicht mehr zusehen kann, wie da mit Kinderschicksalen umgagangen wird." Und vieles mehr.


*Egid Braun. Diplom-Soziologe, war TV-Redakteur (ARD) und arbeitet als Dokumentarfilm-Produzent und Sächbuchautor. Sein zweites Buch mit dem Arbeitstilel "Der Skandal mit dem Sorgerecht" erscheint im November hei Rowohlt als Taschenbuch. Er ist geschieden und hat zwei Kinder.


Autor: Egid Braun "EX"
Erstellungsdatum:10.05.1999 G*A*B - Datum: 13.05.1999  Mail: c/o  brain@gabnet.com
Verteiler: HAUPT / MÄNNER / BOYSPOLITIK / JUSTIZ / WIRTSCHAFT /LITERATUR/ KUNST / BÜCHER / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK  / CHRONOLISTE
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