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WESER® KURIER     TAGESZEITUNG FÜR BREMEN UND NIEDERSACHSEN
 Nr. 59 • Donnerstag, 11. März1999                                                                      Seite 18
„Säuberungen in der Justiz in Grenzen“
Christoph Thonfeld: Entnazifizierung des Personals in Bremen gescheitert
Von unserer Mitarbeiterin Anke Wiebersiek

Zitat<
Auch die Bremer Justiz hat noch eine Leiche im Keller. Das wurde bei einem Vortrag über die Entnazifizierung an Bremer Gerichten deutlich. Wie war es möglich, daß so viele Richter und Staatsanwälte, die während der NS-Herrschaft Unrecht sprachen, den Weg zurück in die Justiz fanden? Diese Frage untersuchte jetzt Christoph Thonfeld vor dem „Jungen Forum Gesellschaftswissenschaften". Die Entnazifizierung habe einem „absurden Verwirrspiel" geglichen.
Als die Alliierten Ende April 1945 Bremens Gerichte schlössen, entließen sie sämtliche Richter und Staatsanwälte, die Mitglieder der NSDAP waren. Im Juni 1945 wurden die Gerichte wieder geöffnet, und die Entnazifizierung sei - nicht zuletzt wegen der amerikanisch-britischen Doppelherrschaft in Bremen - der Rehabilitierung eines ganzen Berufsstandes gleichgekommen, wie der Referent ausführte.
Als Präsident des Landgerichts Bremen wurde damals der Rechtsanwalt Dietrich Lahusen vereidigt. Er forderte schon bald die Wiederzulassung von Richtern, Staatsanwälten und Beamten, da sie für die „geordnete Rechtspflege und Funktionsfähigkeit der Gerichte unerläßlich" seien. Nach seinen Vorstellungen sollten auch Sonderrichter und Erbgesundheitsrichter wieder eingestellt werden, die während der NS-Herrschaft Unrecht gesprochen hatten. Dieser Vorstoß gelang Lahusen zwar nicht sofort, doch bedurfte es nur einer "Schnittstelle von offizieller Konzeptlosigkeit und inoffizieller Kooperationsbereitschaft, um dem Vorhaben zum Durchbruch zu verhelfen", so der Referent. Schließlich sei das einschlägig belastete Justizpersonal nach und nach wieder eingestellt worden.
Doch nicht nur die Abwehrhaltung gegen die Säuberung der Justiz war der Grund für die Wiedereinstellung von NS-Richtem und -Staatsanwälten. Auch für die Alliierten war die Funktionsfähigkeit der Gerichte offenbar wichtiger als die politischen Säuberungsmaßnahmen. Schließlich hatte man kaum Vorstellungen davon, „wie man mit den Entlassenen auf Dauer verfahren sollte, beziehungsweise wie man für sie Ersatz schaffen sollte", resümierte Thonfeld.
Es wurden also jene wieder eingestellt, die einige Jahre zuvor „Ordner des totalen Krieges" waren. Kein Richter ist bis heute für die Unrechtsprechung im Dritten Reich zur Rechenschaft gezogen worden.
Berndt-Adolf Crome, heutiger Präsident des Landgerichts Bremen, sagte in der anschließenden Diskussion, es sei auch heute noch möglich, daß Juristen ihr „Handwerkszeug einer Unrechtsprechung" zur Verfügung stellen könnten.>Zitatende<
Kommentar: Wie wahr, sie tun es bereits tagtäglich auf vielfache Weise im Bereich Familienjustiz und Kindschaftsrecht, und die Opfer sehen sich gleichermaßen wehrlos wie in der Nazidiktatur und die noch nicht betroffenen Bürger machen wieder alle Augen zu als ob sie in den vergangenen 60 Jahren nichts dazu gelernt haben.
Da stellt sich die Frage, wieviel Zerstörung die Bürger diesesmal hinnehmen wollen bevor reagiert wird. 
Naja, es handelt sich diesmal nur um die systematische  Zerstörung von Menschen bei Erhaltung der materiellen Substanz (wirkungsgleich einer Neutronenbombe) sodaß die zufällig nicht Betroffenen auf satten materiellen Zugewinn hoffen können, bis es auch sie erwischt, aber bis dahin werden die Augen fest geschlossen und die von ihnen Ignorierten die ihnen dann beistehen könnten und würden, sind inzwischen leider liquidiert oder handlungsunfähig.     -Vivat, crescat, floreat Deutschland!.
Gerhard Hanenkamp
Autor:Anke Wiebersiek/Weser®KurierDatum 13.03.1999 Mail: 
Verteiler: HAUPT / MÄNNER / POLITIK / JUSTIZ / WIRTSCHAFT / LITERATUR / KUNST / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK  / CHRONOLISTE
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